Rufus Wainwright – Out Of The Game


Gay Messiah, Meister der Opulenz, Genie, des Kritikers Liebling, Rufus Wainwright hat seit seiner Verwandlung nach dem Poses Release mehr Attribute gesammelt als die Charakter der letzten ‚Bauer sucht Frau‘ Staffel. Während Vater Loudon Wainwright III auf seinem neuesten Album ‚Older Than My Old Man Now‘ eine spannende Familienplatte abliefert, vollzieht Rufus Wainwright auf ‚Out Of The Game‘ mit Gastmusikern wie seiner Schwester Martha und Sean Lennon einen weiteren Schlenker und zeigt sich von seiner lockeren Seite.

Zu Beginn der Aufnahmesessions kündigte der smarte King of Prunk bereits an, dass seine neuen Songs so poporientiert und tanzbar wie noch nie seien. Und so sehr Wainwrights wunderbares Songwriting auch auf ‚Out Of The Game‘ in die Breite geht, so viel Wert legt er diesmal auf die kleine simple Melodie. Die Arrangements haben eine kleine Magerkur hinter sich und die Melodien stechen nun wieder leichter heraus.

Und das können sie auch ruhig. Denn was er hier im Kern zu bieten hat, geht über das Hörzentrum direkt in Herz und Beine. Das Album verzichtet dabei auf die Opulenz und Dramaturgie der Want Releases und setzt auf Leichtigkeit, die wohl am ehesten an die ersten beiden Alben des Musikers erinnern. Dass er dabei auf die obligatorische Armee an Streichern hin und wieder nicht verzichten möchte, kann man ihm angesichts der Schönheit nicht übel nehmen. Für die richtige Dosierung und Inszenierung sorgt diesmal Erfolgsproduzent Mark Ronson (Adele, Amy Winehouse). Der Opener ‚Out Of The Game‘ ist ein perfektes Beispiel für die neue Leichtigkeit. baut etwas Spannung auf, die sich kurze Zeit später in schönen Soul-Backingharmonien entlädt und in Thomas Brennecks Gitarrensolo mündet, um das Wainwright mit schlichten Dadas herumtänzelt.

Geprägt wurde das Album von den schönen (Hochzeit, Geburt seiner Tochter Viva, die übrigens von Leonard Cohens Tochter Lorca zur Welt gebracht wurde) und traurigen (der Tod seiner Mutter) Ereignissen der vergangenen 2 Jahre. Eine Art Neuanfang soll das hier sein. Die junge Familie bekommt mit Montauk eine kleine Hymne an das neue Zuhause und seinem Partner Jorn Weisbrodt widmet er ‚Perfect Man‘ und die Ballade ‚Song Of You‘, in der die Textzeile ‚There are many melodies to choose from / but there’s only one of you‘ heraussticht.

Auch wenn Rufus Wainwright auf ‚Out Of The Game‘ so leicht und poporientiert wie lange nicht mehr ist, heißt das noch lange nicht, dass er nun jedem gefallen wird. Wem der Gesang des Amerikaners schon immer zu theatralisch war, der wird auch bei der leicht überstrapazierten Theatralik auf ‚Out Of The Game‘ nur mit den Augen rollen. Liebhaber seiner Musik werden die neue Gangart jedoch begrüßen und sich an Wainwrights bestem Album sein ‚Want Two‘ erfreuen.