Damien Jurado


Damien Jurado Interview

Damien Jurados neuestes Album ist wie ein Glücksgriff im verstaubten Plattenladen um die Ecke, der die größten Schätze der 60er und 70er fein sortiert im Keller bunkert. Alte Roots, viel Spielfreude und unfassbar starke Songs zeichnen ‚Maraqopa‘ aus. Kürzlich präsentierte Jurado seine neuen Songs in Deutschland und beantwortete uns einige Fragen.

Bei Maraqopa handelt es sich um die dritte Zusammenarbeit mit dem Songwriter Richard Swift, der bereits ‚Saint Bartlett‘ und die gratis Cover-Compilation ‚Other People’s Songs‘ produzierte. ‚Maraqopa‘ atmet mehr denn je den Geist der alten Wurzeln, denen Swift und Jurado verfallen sind. Damien Jurado selbst, der einst mit Punk und Hardcore Alben groß geworden ist, interessiert sich sehr stark für die Musikgeschichte. Er studiert regelmäßig die Biographien anderer Musiker und nannte alle möglichen Grateful Dead Alben als seine größte Musikleidenschaft 2011. Damien Jurado also ein Deadhead?

Dem neuesten Album hört man eher den Geist anderer Klassiker an. Der Opener ‚Nothing Is The News‘ erinnert eher an Santanas ‚Abraxas‘ und versprüht zumindest die Live-Spielfreude der Grateful Dead. Lange Gitarrenspielereien und viel Rhythmusgefühl zeichnen dieses 5:30 lange Monster aus. Der Rest der Platte bricht mit dem Opener und klingt schon eher nach dem Material, das den Vorgänger ‚Saint Bartlett‘ zu Jurados größtem Meisterstück machte. Sanfte eingängige Songs, die mit allen möglichen Retro-Soundspielereien, Reverb-Effekten, Schubas und dezent eingesetzten Instrumenten geschmückt werden. Jurado distanziert sich musikalisch noch stärker von dem düsteren Killerfolk und der schlichten Produktion seiner Zusammenarbeit mit Eric Fisher, die in ihren mutigsten Momenten zu Tuckerbeats griff. Wie Jurado uns verraten hat, handelt es sich bei ‚Maraqopa‘ um eine fiktive Stadt, von der er einst geträumt hat. Nach ‚Ghost Of David‘, das sich auf einen Traum vom Tod seines langjährigen Freundes und ehemaligen Bandkollegen Dave Bazan bezog, sei dies also seine zweite „Traumplatte“.

Nachdem er auf „Caught In The Trees“ seine Scheidung verarbeitete und ‚Saint Bartlett‘ von seiner Freundschaft zur Musikerin Jamie Spiess handelte, scheinen sich die neuen Songs wie ‚Reel to Reel‘ hin und wieder um die Musik und die Rolle des Musikers zu drehen. Seine Erklärung zum schlichten Akustiktrack ‚Working Titles‘, der zu den Höhepunkten der Platte gehört, lautet: It’s basically, written from the prospective of a fan, to an artist, they admire. ..and they feel let down, by that artist. It’s pretty complicated. Vermischt wird dies hin und wieder mit christlicher Symbolik (‚Life Away In The Garden‘ oder der B-Seite ‚Pentagrams‘). Auf die Frage, ob ‚Maraqopa‘ ein Konzept wie die Vorgänger habe, antwortete er: Yes, though, i am currently trying to decipher what exactly that is. i think it’s about freedom, love, and letting go of the things, that limit who we are.

Dabei änderte sich auch Jurados Spielfreude auf der Bühne. Einst sass er bei seinen Auftritten wie ein eingeschüchterter Koloss auf seinem Stuhl und sang introvertiert seine traurigen traurigen Stücke. Bei den Auftritten der letzten Jahre witzelte er jedoch ständig mit dem Publikum, erzählte von seiner Heimat, sang neue Versionen seiner Klassiker ‚Ohio‘ und ‚Ghost Of David‘ und spielte beim aktuellen Besuch in Köln sogar einige Songs vor der Tür, um die große Menge an Zuschauern, die keinen Platz mehr im Laden fand, zu trösten.

Er erzählte uns, dass er Liveauftritten inzwischen mehr abgewinnen kann und fügte hinzu: I think because the focus is no longer on me. I no longer play for me. I play for my son. ..and my family. making a living for them. i find great joy in that. Und diese Spielfreude merkt man ihm sowohl auf der Bühne, als auch auf ‚Maraqopa‘, deren Aufnahmen er zu den besten Erinnerungen im Zusammenhang mit seiner Musik zählt, an. Der Wandel vom hochtalentierten Songwriter über den Recording Artist hin zum Performer und Entertainer scheint vollzogen. Mit ‚Maraqopa‘ ist ihm nach ‚Saint Bartlett‘ die zweite perfekte Platte gelungen. Chapeau.