Nigel Wright – Millfoil


Nigel Wrights neues Album ist gar nicht neu. Es ist alt. Schon zwei Jahre alt. Aber da seine Lieder erst jetzt bei Soundcloud entdeckt, überarbeitet und durch das neue Label Butterfly Collectors veröffentlicht wurden, kommt man in Deuschland auch erst jetzt auf den Genuss das Output des jungen Mannes vom Fuße der Blue Rich Mountains zu hören.

Nur durch einen Zufall sei das Berliner Label auf die zerbrechliche Musik aufmerksam geworden und habe sofort den Kontakt nach Georgia, der Heimat des 18-jährigen Singer-Songwriters, aufgenommen.
Auffällig ist zunächst einmal die Stimme. Nigel Wright singt andächtig, es sind tiefe durchdringende Töne. Das Album hat er komplett alleine eingespielt. Dass seine Musik aber auch in einem Band-Kosmos funktioniert, zeigen die Anfang des Jahres in Berlin aufgezeichneten „Church Sessions“.

Die Lieder auf „Millfoil“ sind alle nicht unbedingt eingängig – jedenfalls nicht auf Anhieb. Als Hörer muss man sich zunächst an die Stimme gewöhnen, an den reduzierten Gesang. Dann an die reduzierte Instrumentierung. Hier und da gibt’s neben der Gitarrenspur zwar noch eine andere Begleitung, ein sparsames Klavier oder eine zweite, kräftigere Gitarre, alles in allem liegt die Betonung aber eindeutig auf der Stimme und dem zarten Zupfen der Saiten. Die ganze Platte ist sehr sehr leise. Hat man schlechte Boxen zuhause, kann man den Einstieg in das eine oder andere Lied sogar verpassen. Mit „Advance“ und „Anna“ sind zwar auch kleine Hits auf der Platte versteckt, sie stechen aber nicht heraus, sondern ordnen sich ein ins Gesamtbild.

Nigel Wright legt vielleicht nicht so viel Wert auf eine eingängige Melodieführung – so findet man immer wieder Fingerpicking-Einschübe, die die Lieder und ihren Spannungsaufbau unterbrechen – allein seine prägnante Stimme lässt ihn allerdings zu einer der interessantesten Neuentdeckungen des Frühjahrs 2012 werden. Und ganz nebenbei hat der junge Mann auch durchaus das Zeug zum Posterboy.

Als eine der ersten Bestätigungen stand Nigel Wright fürs Haldern Pop Festival dieses Jahr im August fest. Und da kann man nur hoffen, dass er die kleinere und intimere Bühne im Spiegelzelt bespielen darf. Trotz Bandbegleitung könnte er auf einer großen Bühne sonst ganz schön verloren wirken.