Carolina Chocolate Drops – Leaving Eden


Wenn Tradition auf Moderne trifft: So könnte man die Musik der Carolina Chocolate Drops wohl am besten beschreiben. Das Trio mischt die traditionelle Musik North und South Carolinas mit Hip Hop- und R’n’B-Elementen, so auch auf ihrem neuen Album Leaving Eden. Dabei arrangieren sie nicht nur Songs aus den 20er- und 30er-Jahren neu, sondern bedienen sich auch der Instrumente, die in dieser Zeit üblich waren, wie zum Beispiel Jug und Kazoo. Ergänzt wird das ganze durch Eigenkompositionen und modernere Cover wie Blu Cantrells „Hit ’em up Style“, das auf dem fantastischen Vorgänger Genuine Negro Jig erschienen ist.

In vielerlei Hinsicht ähnelt Leaving Eden Genuine Negro Jig, auch wenn es einige zentrale Änderungen gab: So wurde Justin Robinson durch Hubby Jenkins ersetzt, der ebenso wie Dom Flemons und Rhiannon Giddens Multiinstrumentalist ist. Unterstützt erhielten die drei von Beatboxer Adam Matta und Cellistin Leyla McCalla. Die Umsetzung hat der Band nicht geschadet, im Gegenteil. Das Album sprüht nur so vor Spielfreude und Matta sorgt für einige interessante Akzente. Das Highlight ist aber immer noch Giddens kraftvolle und vielseitige Stimme, die mal wild und rau ist wie bei „Ruby, are you mad at your man?“ und dann wieder sanft und liebevoll, wie auf dem berührenden Titeltrack.

Das soll nicht heißen, dass die anderen Songs nicht ebenfalls überzeugen. In „I Truly Understand That You Love Another Man“ röhrt Jenkins „I wish to the Lord I’d never been born“, unterstützt von stürmischen Geigen und Panflöten. Dagegen kommt Flemons bei „Boodle-De-Bum-Bum“ eher cool daher, begleitet von Jenkins an der Mandoline und Giddens am Cellobanjo(!). Dazu gibt es sowohl instrumentale wie auch A-cappella-Nummern, bei denen man die Magnolien förmlich riechen und die Holzveranda knarren hören kann.

Kein Song steht dabei so exemplarisch für die Musik der Drops wie „Country Girl“, der davon handelt, dass Giddens die ganze Welt bereist hat, sich aber nur in North Carolina zuhause fühlt. Sie rappt die Strophen, während Matta für Turntablesounds sorgt. Die instrumentale Begleitung umfasst jedoch ganz traditionell Geige, Banjo und Mandoline.

Trotz der vielen verschiedenen Einflüsse ist das Album äußerst stimmig. Selbst die Titel, die schon 80 oder 90 Jahren auf dem Buckel haben klingen dank der neuen Arrangements so frisch, als wäre sie gerade erst geschrieben worden. Das liegt natürlich zum einen an der technischen Versiertheit aller Beteiligten, aber auch an ihrer unbändigen Energie. Ihre ganze Magie entfalten die Carolina Chocolate Drops wahrscheinlich nur live, aber Leaving Eden gibt schon einen guten Eindruck davon, was sie alles auf dem Kasten haben.