Bowerbirds – The Clearing


Man nennt das ja eigentlich „Herbstmusik“. Mit „The Clearing“ erscheint jetzt aber in diesen Frühlingstagen das neue Werk der Bowerbirds. Nicht ganz so sparsam instrumentiert, wie man es noch von den beiden Vorgängern „Hymns for a dark horse“ und „Upper Air“ kennt, präsentiert das Folktrio um Philip Moore und Freundin Beth Tacular wärmende Melodien zum längere Zeit mal aus dem Fenster schauen. Oder eben auch zum Rückzug in die Einsamkeit. Und genau das war ein wesentlicher Bestandteil der Aufnahmen zu dieser Platte, die teilweise in einer abgelegenen kleinen Hütte in North Carolina eingespielt wurden.

Lyrisch galt es einiges zu verarbeiten: In den Jahren seit der letzten Veröffentlichung 2009 wäre Frau Tacular fast an einer mysteriösen Krankheit gestorben. Außerdem gab es Unstimmigkeiten im Pärchenkosmos der beiden Songwriter. Diese sind nun aber aus der Welt geräumt und beide haben wieder zueinander gefunden.
Viel Wert wurde diesmal auf die Produktion gelegt. Jede Spur ist fein abgemischt, alles wirkt etwas strukturierter. Die Ausflüge in die Wälder des Freak Folk sind eingedämmt worden zu Gunsten der vielfältigen Instrumentierung.

Bedrückend fällt das einleitende „Tuck The Darkness In“ aus. Der Titel gibt die melancholische Grundhaltung des Liedes vor, die das lyrische Ich – verortet auf einem nebeligen Feld – dann mit den Zeilen „Oh my dear friend, everything falls to death, we took the darkness in“ wieder thematisiert. Weniger Warnung als vielmehr Einsicht. Nur als einfaches Akustik-Gitarren Motiv gestartet entwickelt sich dieser Einstieg dann schließlich zur großen Hymne – wie um diese Feststellung nochmal zu unterstreichen.
Der zarte Gesang von Beth Tacular trägt das optimistische „In The Yard“. Etwa nach einer Minute setzt dann die männliche Gesangsstimme ein und gibt dem Lied eine neue Färbung.
Das Thema Licht aus dem ersten Lied des Albums wird dann bei „Overcome with Light“ erneut aufgegriffen.

In „Brave World“ überrascht ein dezenter Hintergrundbeat, der im Laufe des Liedes zunehmend an Relevanz gewinnt. Von eigentümlicher Rhythmik wird auch „Hush“ durchzogen. Das abschließende „Now we hurry on“ verlässt sich hingegen ganz auf ein Klavier und die Gitarrenbegleitung. „No, you’re not alone“ wird hier immer wieder postuliert. Man glaubte alle Zeit der Welt zu haben, aber dem war wohl nicht so. Jetzt ist eher Eile angesagt. Und doch: auch mit dieser Erkenntnis ist man nicht alleine. Nach ungefähr zwei Minuten nimmt das Stück eine überraschende Wendung: die getragenen, schwelgenden Klavierakkorde werden abgelöst von einer verspielten Gitarre und einer ebensolchen Harmonika-Begleitung. Schließlich wird die Stimmung der ersten Minuten wieder aufgegriffen, bevor der Gesang endet und sanft angeschlagene Klaviertöne den Hörer in die Stille entlassen.

„The Clearing“ bietet dem geneigten Bowerbirds-Hörer also so ziemlich genau das, was er erwartet. Bittersüsse Melodien einerseits, die leichte Beschwingtheit auf der anderen Seite. Beth und Philip sitzen in ihrer Waldhütte und genießen ihre Zweisamkeit.