Melancholia


Melancholia Film

Wenn Lars von Trier wieder mit einem neuen Projekt antanzt, dann ist das in den meisten Fällen eine egozentrische Selbstanalyse. Er will uns keinen Gefallen tun, sondern sich selbst therapieren. Bei den jüngsten Dreharbeiten soll es ihm viel besser gegangen sein, als davor bei „Anichrist“. Das glauben wir ihm aber nicht. Wenn „Antichrist“ der Sturz ins dunkle Loch war, ist „Melancholia“ bloß ein Versuch, dort heraus zu kriechen, nur um am Ende kläglich zu scheitern.
Was dem Film zu Gute kommt, denn Lars ist der Mann der dunklen Stunde. Es wird gemunkelt, er würde zurzeit wieder im dunklen Wald hocken und am Drehbuch fürs nächste Schauermärchen tüfteln.

Die Depression der frisch vermählten Protagonistin (Kirstin Dunst) wird im Größenwahnsinn des Films zu einem universellen Problem aufgeblasen; dem gigantischen „Planeten“ Melancholia, der unsere geliebte Erde bedroht. Lars baut unüberwindbare Hürden für seine Figuren, denn er gibt keine Antworten und löst ihre Probleme bloß mit der absoluten Endlösung: Unser Planet ist von Grund aus schlecht und der Mensch ist eh allein im Universum, laut der Protagonistin.
Direkt nach der Kollision beider Planeten kann sich der Regisseur nur noch zwischen einer weißen oder einer schwarzen Leinwand entscheiden. Der Höhepunkt ist die totale Auslöschung; weiter geht es nicht, weil die Filmtechnik in dem Sinn noch in den Kinderschuhen steckt: Der Melancholia-Planet müsste eigentlich noch aus der Leinwand rollen und die Zuschauer plattwalzen.

Was ärgert: Stilistisch lehnt sich von Trier viel zu sehr an seinen Landsmann Thomas Vinterberg und dessen „Das Fest“. In beiden Filmen gibt es diese verbale Entblößung verschiedener Charaktere während eines gesellschaftlichen Beisammenseins. Die Handkamera sucht unruhig ihre Motive und treibt die Methode des dänischen Dogmafims auf die Spitze; nur selten können die Bilder in ihrer Nervosität gebändigt werden.
Ähnlich wie bei Terrence Malicks „Tree o Life“ schwirrt erneut Stanley Kubrick wie ein wachender Geist über dem Projekt: Lars von Trier nutzt auch ein klassisches Leitthema (Wagners „Tristan und Isolde“) als opernhafte Untermalung kosmischer Bilder.

Man kann „Melancholia“ dennoch keine Abwesenheit seines Regisseurs vorwerfen. Lars ist allgegenwärtig und ein großer Wurf ist ihm jedenfalls gelungen, bei dem es so herrlich spannend bleibt, weil man nach diesem apokalyptischen Finale nicht weiß, wo der Stein als nächstes landet. Für seinen nächsten Film muss Lars von Trier die Welt ohnehin erst wieder neu erschaffen, die er hier endgültig zerstört hat. Eine gewaltige Aufgabe.