Kanye West & Jay-Z – Watch The Throne


Die Rettung des Hip-Hops, die wichtigste Rap-Allianz seit N.W.A. oder die überfälligste LP-Kollaboration der vergangenen zwanzig Jahre? Enfant terrible (Kanye West) und Ober-CEO (Jay-Z) machen auf “Watch The Throne“ gemeinsame Sache und mischen die, wie man vor zehn Jahren so naiv-nett sagte, Black-Music-Szene kräftig durcheinander. Zumindest ist das der Anspruch des Thronanwärter-Duos. Die offensichtlichen Fragen stellen sich mindestens so schnell, wie die Rhymes die geöffneten Münder der beiden Protagonisten verlassen. Wer ist Sidekick, wer Big Boss? Was kann man besser machen als auf Wests überragender 2010-LP “My Beautiful Dark Twisted Fantasy“? Und finden die Alphatiere einen gemeinsamen Highway der kreativen Kräftebündelung?


Erste Misstöne säen die beiden Hip-Hop-Mogule gleich im Verlauf des Openers “No Church In The Wild“. Bedrückende Beats und beklemmender Sprechgesang treffen auf das ewige Genre-Elend der zurückliegenden Jahre: Auto-Tune. Jay-Z’s Versprechen vom Tod dieser Technik ist also doch bloß ein Lippenbekenntnis. Tune it, like it’s 808’s & Heartbreaks, ist die Erkenntnis. Zum Glück ist das jedoch nur ein kurzer Ausrutscher, der man den A- und B-Hörnchen des kontemporären Hip-Hops ohne Feindgefühle durchgehen lässt. Bis auf die kurzen Plastikvokalversatzstücke ist der erste Track sogar ziemlich gelungen.
Besonders gern verzeiht man derartige Blindgänger, weil “Watch The Throne“ schon lange nicht mehr da gewesene Ansätze von ausgelassener Geilheit für uns bereithält. Allein die Grabauferstehung von Otis Redding macht “Otis“ zu einer der Speerspitzen des Albums – kein lauwarmer Aufguss, dass ‘Trio‘ brennt. “Niggas In Paris“, “That’s My Bitch“ und “Murder To Excellence“ schlagen in die gleiche Kerbe. Urteil: Kopfnicken und zufrieden sein.

Eine der ersten Fragen, die ich mir vor zahlreichen “Watch The Throne“-Durchgängen stellte, war, ob der One-Two-Punch Kanye Wests “My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ toppen könnte. Die Antwort: Nein! Dennoch ist die Zusammenarbeit der Rap-Vorderen mächtig gelungen und bestens abgehangen. Ganz wie LeBron und D-Wade schaffen die beiden Musiker den Finaleinzug. Dass dort Schluss ist, macht sie menschlich. Die Basketballer sollten beim nächsten Anlauf einfach die arroganten Faxen lassen und Carter und West endlich den Auto-Tune-Wahnsinn zu Grabe tragen. Bis auf diesen produktionstechnischen Vokaldreck ist “Watch The Throne“ aber ein Album, das man gehört haben sollte. Und für all die Indie-Nerds unter euch: Justin Vernon (Bon Iver) hat natürlich auch wieder mitgemischt.