Roadside Graves – My Son’s Home


Mit “My Son’s Home“ schaffen die Roadside Graves den Spagat zwischen Sailor-Shanty und Appalachen-Folk. Das US-amerikanische Kollektiv lernte bei den alten Meistern (Dylan, The Band) und orientiert sich an kontemporären Spielkameraden (The Felice Brothers, A.A. Bondy). Eindringliches Songwriting wechselt sich mit der Vorliebe zu rauem Krach und chaotischem Radau ab. Wer zu viel auf amerikanischen Highways unterwegs ist, muss den Tempomat auch einfach mal Tempomat sein lassen.

Abends im Club will man nur die Instrumente umschnallen, ein paar Whiskey aufs Klavier stellen, Geschichten vom Rand der Gesellschaft oder einfach aus der Tiefe des eigenen Gefühlsschatzes erzählen. Dann stellen die Bandmitglieder ihren jeweiligen Fuß aufs Gas und von einer Sekunde auf die andere ist man in der Welt der Roadside Graves.

Zu acht ist die Band aus Metuchen, New Jersey. Das zuweilen konfuse Dickicht von “My Son’s Home“ hat ebenso etwas von einer beschaulichen Kommune, wie der vermutete Bandalltag. Klaviere klimpern, Geigen jaulen, Gitarren – die Reihenfolge ist egal, Hauptsache der knarzige Grundton stimmt. Folk vom Wegesrand, der in dieser Machart nur aus Amerika kommen kann. Der dreckige und durch und durch ehrliche Sound der Roadside Graves muss dabei fast schon aus New Jersey kommen. In den Songs der acht jungen Männer findet man das, was bei Springsteen heutzutage leider fehlt. Unpathetische Hemdsärmeligkeit.