Dredg – Chuckles And Mr. Squeezy


Der Ruf ein abwechslungsreicher, vielschichtiger Geheimtipp in einer drögen Rocklandschaft zu sein, scheint auf Dauer zu nerven. Zumindest Dredg. Die Kalifornier legen mit “Chuckles And Mr. Squeezy“ ihr mittlerweile fünftes Studioalbum vor. Dass sie damit die eigenen Fans herausfordern und deren Treue auf eine harte Probe stellen werden, ist schon nach zwei Songs klar. Hier ist jemand auf Krawall gebürstet und will mit einem musikalischen Gegenentwurf sehen, wie weit man gehen kann.

Wo soll man anfangen? Schwere Frage, denn im Dredg-Sound hat sich so einiges geändert. Die Herrschaften beschwören die 80er, gehen schnurstracks ein unheilvolles Bündnis mit den Geistern des Progressive-Electro-Pops ein und kommen aus der früh vorherzusehenden Nummer im Verlauf des kompletten Albums nicht mehr raus. Feinsinnige Verschachtelungen der Vorgängerplatte machen Platz für ein dröges Keyboard- und Schlager-Abenteuer (z.B. “Sun Goes Down“ und “Where I’ll End Up“), zu dem das Bandfoto im Booklet („Vorstandsvorsitzender trifft Zwielichtbänker“) wie die Faust aufs Auge passt.

Dredg nehmen mit “Chuckles And Mr. Squeezy“ einen scheinbar unnötigen Umweg in eine ziemlich komische Richtung. Nach dem kritischen und kommerziellen Erfolg von “The Pariah, The Parrot, The Delusion“ (2009) warteten alle auf den nächsten Schritt zu einer der größten Rock-Bands unserer Zeit. Was wir mit den neuen elf Songs bekommen, ist ein buntes, klebriges Knallbonbon, das zu lange in der Sonne lag. Ein Teenager muss irgendwann seine Grenzen austesten, um zu sehen, wie weit er gehen kann. Dredg werden im Lauf des Jahres 18. Man kann ihnen nur wünschen, dass “Chuckles And Mr. Squeezy“ eine trotzige Suche nach den eigenen Grenzen darstellt. Da man diese mit dem aktuellen Album erreicht und stellenweise deutlich überschritten hat, ist der Weg frei für das nächste Rock-Album. Also stellt die debile Elektronik und die flachen Melodien wieder in den Giftschrank, hört euch eure ersten vier Platten an, und geht bald wieder ins Studio. Wir waren ja alle mal Teenager – das legt sich mit der Zeit.

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