Soundgarden – Live On I-5


Als es Soundgarden anno 1996 in die nicht allzu weite Fremde zog, lag vieles im Argen. Die Grunge-Pioniere drückte der Schuh an diversen Stellen und so beschloss man, nach einer gegen Ende ziemlich turbulenten US-Westküstentour die Doc Martens an den Nagel zu hängen und lieber getrennte Wege zu gehen. Das fünfte Studioalbum auf hohem Niveau, “Down On The Upside“ (Mai 1996), lag zwar nur wenige Monate zurück, aber die Gräben innerhalb der Band waren zu tief, um weiter gemeinsam Musik machen zu wollen. Die Liveplatte, die man auf der angesprochenen Tour mitgeschnitten hatte, verschwand also erstmal im Giftschrank.

Seitdem stieg Matt Cameron erfolgreich bei Pearl Jam ein, Ben Shepherd arbeitete an einem Soloalbum und Kim Thayil schlief gerne lange und genoss das Rentnerdasein. Und Chris Cornell? Der Frontmann stieß sich bei Audioslave endgültig die Hörner ab und wandelte auf grenzwertigen Solopfaden, die im unterirdischen “Scream“ (2009) mündeten. Als Anfang 2010 alle Anzeichen auf eine Soundgarden-Reunion hindeuteten, werden nicht nur etliche Fans vor Erleichterung in die Luft gesprungen sein. Endlich wieder Rock’n’Roll!

Neue Musik gibt es von dem Quartett aus Seattle auch 15 Monate nach den Wiedervereinigungsanzeichen nicht, aber mit “Live On I-5“ dafür jetzt endlich ein standesgemäßes Livedokument einer der monumentalsten Livebands der 90er. Die von Adam Kasper auf der besagten Westküstentour mitgeschnittenen Aufnahmen hat die Band durchgehört und auf knapp 80 Minuten satte 17 Songs versammelt.

Der Fokus liegt mehr oder weniger auf den damals aktuellsten Soundgarden-Werken “Superunknown“ und “Down On The Upside“. Neun Tracks kommen von den beiden Alben und werden von allerhand handverlesenen Perlen begleitet. Älteres und spürbar härteres Material (“Nothing To Say“) steht neben einem kleinen Beatles-Exkurs (”Helter Skelter”) und einigen Granden des 1991er Durchbruchs “Badmotorfinger“ (“Rusty Cage“, “Outshined“, “Jesus Christ Pose“ oder “Searching With My Good Eye Closed“).

Die in Del Mar, Seattle, Vancouver, Salem und Oakland mitgeschnittenen Stücke zeigen eine Band, in der es innerlich gären mag, aber die sich auf der Bühne nur (zumindest bei den hier enthaltenen Aufnahmen) einem gemeinsamen Ziel verschrieben hat: der gebührenden Präsentation ihrer Songs. In einer CD-Setlist ohne Ausfall ragen “Let Me Drown“, “Boot Camp“, “Fell On Black Days“, ”Burden In My Hand” und das nur von Cornell vorgetragene ”Black Hole Sun” heraus. Wer, wie ich, die späte Soundgarden-Phase liebt, wird mit “Live On I-5“ seine helle Freude haben.
Demnächst geht die Band übrigens ins Studio und sondiert einige neue Songideen. Auf der Bühne will man in diesem Sommer ebenfalls präsent sein. Eine Rückkehr, die uns freut!

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