Little Wings – Black Grass


Der Künstler und Songwriter Kyle Fields ist wohl eine der wenig bekannten Legenden der Songwriterszene. Für seine grandios lockeren Folkplatten mit den Projekten Be Gulls und Little Wings wird er von zahlreichen Musikern wie Phil Elvarum, Adrian Orange, Feist oder Damien Jurado hoch geschätzt.

Zugleich ist er jedoch trotzdem weit weg vom großen Musikbusiness entfernt und beschränkt sich meist auf das Aufnehmen von Songs und einige seltene Live Auftritte in seiner Heimat. Dinge wie Promoarbeit, Imagepflege oder sein Internetauftritt jucken ihn wenig. Hierzu sagte er zuletzt in einem seiner seltenen Interviews „I’m not trying to be the action hero behind the music“. Nach knapp vier Jahren veröffentlicht er nun endlich ein neues Little Wings Album, sein erstes auf dem eigenen Rad Records Label, das zur liebevollen Marriage Records Familie gehört. Kyle Fields ist die Verkörperung eines Paradoxon. Meist wirkt er auf außenstehende wie ein Phantom und erinnert ein wenig an eine surfende Mischung aus Will Oldham und Huck Finn. Seine Wurzeln liegen im Süden der USA, beheimatet ist er jedoch an der Westküste (meist Portland oder San Francisco). Zu seinen Folk-Wurzeln kommt eine leichte Affinität für Hip Hop Musik. Seine eigene Musik ist jedoch eindeutig und homogen. Seit ca. 12 Jahren liefert er Folksongs ab, die mit ihrem Charme und ihrer Popbrillianz wie kleine unwiderstehliche Welpen sind.

„Black Grass“ ist dabei weniger verspielt, als die frühen Alben. Kyle Field wirkt hier gefasster. Eine poppig bunte Schnitzeljagt wie „Light Green Leaves“ ist sein neues Album keinesfalls. Die Songs wirken ausgereifter, werden jedoch wieder mit viel Fingerspitzengefühl vorgetragen. Kyle Fields Gesang wirkt dabei wie geflüstert und jeder kleine Tupfer der Platte scheint wohl überlegt zu sein. Eingeleitet wird das Album von „Gold Teeth“, das mit der Zeile „We’ve painted all the grass blades black“ eine Annäherung an den mysteriösen Plattentitel liefert. „The leaves will change but that won’t matter“ ist eine weitere Zeile, die hier hängen bleibt. Und die Naturmetaphorik soll sich auch auf diesem Album – ähnlich wie auf den Platten seines Freundes Phil Elvarum – als roter Stimmungsfaden durchziehen. Kurz darauf kommt die musikalische Offenbarung. “How Come?” heißt das Stück und die Gesangslinien die Field hier zeichnet, können mit ihren Schlenkern und Kanten Herzen brechen. Beim Rest der Platte ist die Schönheit weniger offensichtlich. Die Melodien besser unter der stimmigen Instrumentalbegleitung versteckt. Doch ja, sie ist da. Sie lauert an jeder Ecke. „Little Bit“ und „Mr. Natural“, sie alle machen dieses Album zu einem weiteren entdeckenswerten Diamanten. Auf Händen sollte man diesen Kyle Field tragen, oder zumindest seiner Musik mehr Aufmerksamkeit schenken.

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