⇒ Eels - End Times

Mr. E hat wieder den Blues. Manche Menschen überwinden das persönliche Gefühl einer Endzeit in Bars, manche stürzen sich in Arbeit und widerum andere direkt aus Fenstern. Der Sänger der Eels greift lieber zur Gitarre. Diesmal legt er uns sein gebrochenes Herz vor die Füße und denkt gar nicht daran es zu schmücken. Nach den collected tragedies auf “Elektro Shock Blues” und dem wundervollen Dokumentar-Film “Parallel Worlds, Parallel Lives” liefert uns E mit der neuen Eels Platte ein weiteres persönliches Werk vor, so etwas wie die “Dark Side Of Hombre Lobo”.
“End Times” wirkt so, als hätte sich der Amerikaner in einem Raum eingeschlossen, um das Ende seiner Beziehung zu vertonen. Dies ist im wahrsten Sinne eine Soloplatte. Der großspurige Bluesrock, der insbesondere die beiden Vorgängeralben der Eels prägte, weicht hier rohen Lofi-Klängen. Wie bereits auf seinem persönlichen Magnus Opum “Elektro Shock Blues”, sind es auch auf “End Times” wieder die persönlichen Songskizzen, die diese Platte prägen. Auf Samples verzichtet der Songwriter fast komplett. Große Ausnahme ist das wunderschöne “7″. Nur selten braucht er mehr als 2:30min, um zu berühren und das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Die Trauer und das Leid, das die Songs vermitteln, kann es ruhig mit einer ganzen Busladung von Klageweibern aufnehmen.
Wer könnte die Songs und den Sänger nicht wieder in sein Herz schließen, wenn E beispielsweise in “Little Bird” davon singt wie er einem Vogel von seinem Leid berichtet oder sich in “In My Younger Years” als gealterter Mann gibt. Dass die ein oder andere Nummer mittelprächtig klingt, sei ihm verziehen. E rotz uns hier einige kleine Skizzen zu großen Songs vor die Füße, die eben durch ihre Nacktheit berühren. Unpretäntiös vorgetragen, charmant und tieftraurig.
⇒ Dominique A - La Musique

Dominique Anés neuer Release auf dem Le Pop Label. Eines steht hier bereits vor dem Blick auf die Tracklist fest, es wird französisch. Die Kenner der Musik des Chansoniers aus Nante wissen jedoch, dass der Rest jedes Mal eine spannende Unbekannte ist. [»]
⇒ Peter Broderick & Machinefabriek - Blank Grey Canvas Sky

In the autumn time
when the sky is a blank grey canvas
I don’t wanna paint on it
Cause all those colors blind me
spinning all around me
round and round and round
and round and round and
round and round and round
Betrachtet man die CD “Blank Grey Canvas Sky”, entstanden 2009 aus der Kollaboration von Peter Broderick und Machinefabriek aka Rutger Zuydervelt, fallen diese Zeilen als Allererstes auf, die die Innenseite des Digipaks zieren.
Obwohl hier viel Interpretationsspielraum gegeben ist, wird in gewisser Weise trotzdem mit einer bestimmten Erwartungshaltung gespielt. Wozu nützt eine Leinwand, wenn sie leer bleibt? Findet man ein düster-melancholisches Album vor, eintönig und farblos, so wie der beschriebene Himmel im Herbst? Hört man zum ersten Mal “Departure”, so möchte man das fast meinen. Schwerfällige Pianoakkorde, hier ein Rauschen, da ein Knarzen, irgendwann setzen Streicher mit einem dunklen, langgezogenen Ton ein.
Dann werden die Streicher lauter, übertönen das Piano, alles steigert sich dramatisch, bis sich der Klangteppich wieder auflöst - was übrig bleibt, ist das tiefe Dis und ein gelegentliches Rauschen. Kommt man allerdings zu den folgenden Tracks, wechselt sich diese schwere Grundstimmung mit heiteren und dynamischen Momenten ab - und das ist wohl der Grund, warum es sich als so genial herausstellt. Brodericks verspielte und leichte Art und Weise, die er in das Spiel seiner Instrumente legt (was man vor allem beim Hören seiner diversen Soloalben feststellt) wird durch Zuydervelt’s elektronische, schwerer anmutende Elemente ausgeglichen.
Dieses Nebeneinander von Leichtigkeit und Schwere findet man nicht nur in den Tracks selbst, sondern auch in den Titeln. Ein schönes Motiv ist beispielsweise “Kites”, also “Drachen”. Wer schon einmal versucht hat, einen solchen in die Luft zu befördern, weiß, dass sich das ersteinmal als schwierig herausstellen kann. Ist er dann hoch oben, scheint er wie von selbst zu schweben. Dieser dritte, also in der Mitte stehende Titel erinnert vom Ablauf her an dieses Drachen-Steigen-Lassen. Ein tiefer, schwerer Orgelton, Piano, Streicher, Knarzen. Alles scheint in Drone-Manier zu verschmelzen, steigert sich bis zu einem gewissen Höhepunkt, bis es wieder reduziert wird, sich auflöst. Da hier alle wichtigen Bestandteile des Albums zusammenfinden, könnte man auch sagen, dass dies wohl der Kerntitel desselben ist - denn auch das Cover ziert ein in hochgewachsenem Ährengras liegender Drache - eine Fotografie Peter Brodericks.
“Rain” ist wohl am minimalistischsten gehalten. Hier baut sich, im Gegensatz zu den vorhergehenden Tracks, keine Spannung auf. Stattdessen kommen zu den ruhigen Gitarrensounds Vocals von Broderick und Susanna Lundgren hinzu. Ob das als so passend erscheint, darüber kann man sich streiten. Wo die CD sonst so gar nicht aufdringlich wirkt, bildet der überraschend auftretende, zweistimmige Gesang fast schon einen Störfaktor, allerdings ist das auch der einzig negative Punkt, den man anführen kann. Die letzten beiden Titel holen dann noch einmal alles heraus, was das Album zu bieten hat. Beide gestalten sich als absolut einfühlsam und melancholisch, vor allem “Homecoming”, das auch vom Klavierspiel Nils Frahms geprägt ist, der in diesem Track mitwirkt. Von der anfänglichen Düsternis bzw. Schwere ist nun gar nichts mehr zu spüren, da diese im Laufe der Zeit immer mehr verschwindet. Peter Broderick selbst sagt dazu Folgendes:
We tried a lot of different things on this album, pushing ourselves to explore new areas… And for me the result is the collection of music I feel most proud of so far.
Im Grunde kann man diese Aussage nur bestätigen, denn durch die Zusammenarbeit mit Machinefabriek erreichen die entstandenen Stücke durch die Symbiose der beiden einen besonderen Reiz. Das Nebeneinander von Drone und klaren Melodiesequenzen, von Instrumentellem und Elektronischem, das Experimentieren mit der Lautstärke - die “Reise” die beide Künstler unternehmen endet in “Homecoming” - und wohl auch in der Liebe zum Minimalismus.
Cause all the colors blind me.
[Bärbel Scherf]
⇒ Laura Veirs - July Flame

“July Flame” ist Laura Veirs siebtes Studioalbum. Da ihre Platten in Deutschland trotz der positiven Kritiken leider meist unangetastet in deutschen Läden verstauben, dürfte die Musikerin trotzdem als Geheimtipp durchgehen. [»]
⇒ Matthew Ryan - Dear Lover

Kunst ist, wenn man trotzdem weitermacht. Nach diesem Motto legt der begnadete Songwriter Matthew Ryan seiner kleinen Fangemeinde seit fast fünfzehn Jahren regelmäßig sehr gute Alben vor die Füße. All dies unabhängig vom mittelmäßigen Erfolg und den damit verbundenen finanziellen Engpässen. Sein neues (zählt eigentlich noch jemand mit? Es müßte das zwölfte sein.) Soloalbum ist dabei keine Ausnahme.
Beim neuen Album wäre es fast wieder mit der Finanzierung knapp geworden. Nach unzähligen Labelwechseln (der Vorgänger erschien noch bei One Little Indian und wurde sogar in Deutschland vertrieben) setzt Ryan nun auf den Eigenvertrieb und Heimaufnahmen. Musikalisch blieb er sich jedoch selbst treu und liefert im Gegensatz zur letzten Homerecording Platte, dem düsteren “Happiness”, ein schick hochpoliertes Album ab. Dieses beginnt mit dem treibenden Elektrobeat der ersten Single “City Life” und dem eingängigen Titeltrack, der in die typisch dreckigen E-Gitarren getränkt wird und an die lauten Americana-Wurzeln des Musikers erinnert. Kurz darauf folgt die wundervolle Nummer “Some Streets Lead Nowhere”, die Ryan dank einer US-Serie sogar so etwas wie einen kleinen Erfolg einbrachte. Bewegend intim ist hier bereits das Zusammenspiel von Gitarre und Klavier, zu dem sich Matthew Ryans raue Stimme gesellt. Ein weiteres großes Meisterstück ist dem Songwriter mit “Your Museum” gelungen. Einem ruhigen Song, der im Refrain mit einigen Streichern geschmückt wird.
Dass Matthew Ryan auch elektronischen Klängen gegenüber aufgeschlossen ist, hat er auf den vergangenen drei Alben oft genug bewiesen. Auch auf “Dear Lover” finden wir eine gesunde Portion Elektrobeats und Hintergrundklanglandschaften. Mit Spark schießt er jedoch deutlich über das Ziel hinaus. Der Song klingt so, als hätte ein semiprofessioneller Knöpfchendreher (in dem Fall DJ Spark) einen halbrohen Ryan-Song verhunzt. In Deutschland denkt man hier wohl eher an Modern Talking Eurotrash. Und fast schon so, als wenn er den Patzer wiedergutmachen wollen würde, setzt er kurz darauf mit “The World is…” einen wunderschön reduzierten Song an den Abschluss seiner Platte.
“Dear Lover” ist eine der letzten Winterplatten dieses Winters und zugleich auch eine der schönsten. Er kann es Gott sei Dank einfach nicht lassen.
[Sebastian Jegorow]
⇒ Chelsy - Sweet Medicine

Fünf Jahre sind seit der Veröffentlichung des Chelsy Debüts vergangen. Fünf Jahre in denen sich die Band scheinbar von einer netten, jedoch recht belanglosen, Indieband zu einem zuverlässigen Ohrwurm-Lieferanten gemausert hat.
Im Opener “Who Needs Words” klingt die deutsche Band um Sänger Martin Arlo Kroll zunächst wie eine dieser zahllosen Bands aus Münster oder ____ (an diese Stelle bitte eine beliebige deutsche Studentenhochburg einsetzen), die man als Support immer mal wieder über sich ergehen lassen muss. Mit Track Nummer zwei kommt jedoch die Überraschung. Chelsy können auch anders. Im Song “So My World” heben sie den Zauber auf, den Voxtrot nach den ersten beiden EPs irgendwo liegen gelassen haben. Bei all dem Hang zum Retro, ist man sogar geneigt das Attribut Rock noch um das so lang vermisste Roll zu erweitern.
Auch Stücke wie “Monique” (Daumen hoch für die Zeile “Oh Monique it’s not the french name that makes you unique”) oder “First Letter” versprühen viel Spielfreude. Im Laufe der Spielzeit wird immer klarer, warum das Promoblättchen hier von zeitloser Musik spricht. Marius Bubat, der sich nach seinem Coma-Projekt nun immer mehr einen Namen als Produzent macht, hat hier gemeinsam mit Thomas Block tolle Arbeit geleistet und den Sound der Band in das richtige Licht gerückt.
Der zweite Popentwurf der Band aus Mülheim hat den nötigen Charme und einige überaus nette Songs. Es darf hier wohlwollend genickt und bisweilen gar gestaunt werden.
[Jana Lüdeke]
⇒ Jonas Mekas

Der Filmkünstler Jonas Mekas zählt zu den Herzschrittmachern des Undergroundkinos und zu den wichtigsten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts. Sein Selbstverständnis als Filmkünstler subsumierte der alte Mann mit der Bolex Kamera einst mit den Worten “I am not a film director because I direct nothing. I just keep filming”. [»]
⇒ Phish

Phish einmal live erleben. Ein großer Wunsch. 1998 hätte gar nicht viel gefehlt. Mein Ziel war Alpine Valley, die Pläne geschmiedet, die Vorbereitungen getroffen, die knapp zwei Autostunden, die vor uns lagen, das Einzige was uns noch von “Character Zero“, “Wilson“ oder “Chalk Dust Torture“ trennte. Und dann die Hiobsbotschaft: Unser Fahrer ist abgesprungen, Alpine Valley muss geknickt werden! So nah sollte ich dem Besuch eines Phish-Konzerts nie mehr kommen. 2004 lösten sich die Herren Anastasio, Gordon, Fishman und McConnell dann auf – das verpasste Konzert in East Troy, Wisconsin wog von nun an noch schwerer. Die „Diese Band werde ich wohl nie live sehen“-Skala wurde um einen Namen länger. [»]
⇒ Black Moon

Ein Film, der sich konsequent seinem Zuschauer verweigert. Von einer dicken Mauer umschlossen, schmollt er, wird launisch, trägt seine Nase hoch, lässt nichts rein und nicht raus. Und ärgert einen. Von vorne bis hinten. [»]
⇒ Das Irrlicht

Designing a suicide. Louis Malles Film “Das Irrlicht” (Le Feu Follet) fokussiert die letzten 48 Stunden im Leben des lebensmüden Alain Leroy. [»]
⇒ Yim Yames - Tribute To…

Ein paar Tage, nachdem George Harrison starb, setzte sich Jim James, seines Zeichens Frontmann der Kentucky-Rocker My Morning Jacket, hin und nahm sechs Songs des leisen Beatle auf. Fast acht Jahre mussten vergehen und ein Pseudonym – zugegebenermaßen kein besonders irreführendes – musste sich zugelegt werden, um die Momentaufnahme als schlicht “Tribute To…“ betitelte EP auf die geneigte Hörerschaft loszulassen. [»]
⇒ Daniel Johnston - Is And Always Was

Is and always was, doch was eigentlich? Daniel Johnston, Vater des Weirdo-Folk, an artist growing old, Comiczeichner, Stubenhocker, etablierter Künstler und ein übergroßes Herz auf zwei Beinen. Nun präsentiert der 48jährige Künstler sein neues Studioalbum, das uns die gesamte Banbreite seines bisherigen Schaffens vor Augen führt. [»]











