Ray Davies – See My Friends


Es ist schon ein Weilchen her, seitdem mir ein neues Album in den Briefkasten flatterte, bei dem Genie und Wahnsinn – „gut“ und „schlecht“ würden es auch tun – so nah beieinanderliegen. Auf Ray Davies neuer Kollabo-Platte “See My Friends“ hat sich der 66-jährige ehemalige Kinks-Kopf diese fragwürdige Ehre redlich verdient. Zusammen mit bekannten Größen wie Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Metallica, Billy Corgan oder Jackson Browne liefert der Brite ein unglaublich launisches Experiment ab, dessen Beiträge Kinks&Davies-Fans nur lieben oder hassen können.

Wenden wir uns zuerst den gelungenen Gemeinschaftsarbeiten, des 15 Songs umfassenden Werks, zu. “Better Things“, das die Platte eröffnet, vereinigt zwei vokale Meister (Davies und Springsteen) und kann tatsächlich als Querschnitt beider Künstler verstanden werden. Unglaublich eindringlich und pittoresk ist die Version von “Waterloo Sunset“, die der ex-Kink zusammen mit Jackson Browne einspielte. Und auch Spoon (“See My Friends“) und der kürzlich verstorbene Alex Chilton (“‘Til The End Of The Day“) überzeugen im Verlauf der LP.

Weiter geht es mit durchaus hörenswerten Paarungen. Die Zusammenarbeit mit den hippen Folkstern von Mumford & Sons (“Days/This Time Tomorrow“) – Davies ist bekennender Fan der Americana-Briten – geht auf, das Duett mit Lucinda Williams (“Long Way From Home“) ist gelungen und sogar Mando Diao können sich überraschend zurücknehmen und tragen nur Positives zu “Victoria“ bei.

Nun kommen wir jedoch zum negativen Besprechungsteil. Bestenfalls nichtssagend und überflüssig sind die Tracks mit Amy MacDonald (“Dead End Street“) und Gary Lightbody (“Tired Of Waiting For You“). An songtechnische Körperverletzung grenzen neue Interpretationen von “Celluloid Heroes“ (mit dem schlimmen Richie Sambora und dem noch schlimmeren Jon Bon Jovi), “Lola“ (mit der überkandidelten Paloma Faith) oder “All Day And All Of The Night/Destroyer“ (mit dem seit mindestens zehn Jahren desorientierten Billy Corgan). Die rumpeligste Pappkrone von allen setzen allerdings Metallica dem Song auf, der Davies‘ Werk wohl wie kein anderer in die Welt getragen hat. “You Really Got Me“ hört sich wie eine waschechte Metallica-Verhackstückung an und wird Kinks-Fans gerade wegen seiner absoluten Humorfreiheit die Tränen in die Augen treiben. Hier hört der Spaß endgültig auf.
Eine farbenfrohe Mischung, dieser musizierende Freundeskreis von Ray Davies. So ein Projekt kann funktionieren, muss aber nicht.

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