Robert Plant – Band Of Joy


Robert Plant

Als Robert Plant auf dem letzten Album von Buddy & Julie Miller gastierte, konnte man das bereits als freudigen Vorboten deuten. Plant, mittlerweile 62, entdeckt in den letzten Jahren sein Talent für erdige Roots-Musik. Die preisgekrönte Zusammenarbeit mit Alison Krauss war da nur ein zwischenzeitlicher Gipfel. Denn anstatt dem Flehen seiner ehemaligen Led-Zeppelin-Kollegen nachzugeben und das alte Geldmaschinenschlachtross zu entstauben, pfeift Robert Plant auf den warmen Geldregen und macht lieber das, worauf er wirklich Bock hat. Momentan ist das wurzeltreues Roots-Handwerk, unterstützt von, na wem schon, Buddy Miller (Co-Produzent und Bandmitglied).

Aufgenommen wurde Plants neuntes Studiosoloalbum – das erste seit “Mighty ReArranger“ (2005) – in Nashville (Woodland Studios & House Of Blues) und New York (Clinton Recording Studio). Zusammen mit Miller tastete sich der englische Rocker an Traditionals wie “Cindy I’ll Marry You One Day“ oder “Satan Your Kingdom Must Come Down“ und Coverversionen von einschlägigen Americana- und Roots-Nummern wie “Harms Swift Way“ (Townes Van Zandt) heran. Dass Plant mit offenen Scheuklappen durchs Musikerleben geht, zeigen seine Interpretationen zweier Songs – “Silver Rider“ und “Monkey“ – von Alan Sparhawk (Low). Der amerikanischen Langsamkeitsinstitution trägt Plant dabei ebenso gewissenhaft, inspiriert und gespenstisch trocken Rechnung, wie dem jugendlichen Rock’n’Roll-Ausflug “You Can’t Buy My Love“ – da kann man nur an die frühen Beatles denken und Plant für diese Version des Babineaux/Babineaux-Tracks beglückwünschen.

Die konjunkturschwankungssichere Auferstehung von Led Zeppelin macht Robert Plant vorerst nicht mit. Der Brite arrangiert und interpretiert lieber neue musikalische Momente. Man kommt nicht umhin dem Lockenkopf simple Leidenschaft zu unterstellen – ein alles umfassender Zustand, den viele Kollegen, die sich in einer ähnlichen Position und in einem ähnlichen Alter befinden, nur noch vom Hörensagen kennen. Robert Plant ist im Geschäft und muss sich nicht an alte Glanztaten erinnern, um weiter lebendige Musik zu erschaffen. Die Band, die ihn berühmt machte, gibt es seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Band, mit der er momentan Freude am Zusammenspielen hat, existiert im Hier und Jetzt. Der aktuellen Albumtitel ist Programm.
[Sascha Knapek]

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