Interpol – Interpol


Interpol

Interpol bleiben mit ihrem vierten Album eine seltene Ausnahme der Regel. Vermutungen, dass die Band das Beamen erfunden hat und kurz nach ihrer Gründung von England nach Amerika umsiedelte, und damit alle Herkunftsfrager in die Irre führte, bleiben. Natürlich ist das Quatsch, aber der Post-Punk der New Yorker ist manchmal so englisch, dass man glatt ins Schleudern kommen kann.

Und eigentlich ist der nun vorliegende vierte Longplayer alles andere als Glatteis. Eher ein schwarzes Loch, das dich reinzieht und anschließend nicht wieder loslässt. Zumindest nicht, bis du dich mit der Kälte und der epischen Breite arrangiert und verbündet hast. Eine Herbstplatte für die langsameren Wintermomente des Jahres.

Als Motoren der eigenen Kreativität benennt Frontmann Paul Banks Trauer und Verlust. Bei dem dunkelgrüblerischen Soundzirkel, den Interpol um ihre frischen zehn Tracks ziehen, verwundert diese Aussage nicht weiter. Wo andere Bands tief in sich gehen und Traurigkeitshymnen entstehen lassen, finden Interpol noch Meeresgräben, die doppelt und dreifach so tief ins Innere hineinreichen. Trauer, Angst und Ungewissheit setzt man der kollektiven Bewusstheitsfindung aus und kontert die melancholische Gefühlsweltenversammlung mit Post-Punk-Dialektik und cineastischen Soundkollagen, die trotz aller Größe nie zu Muse’schen Bombastklötzen verkommen und vielmehr die Erhabenheit eines Achttausenders in sich tragen.

Nach den Aufnahmen zu ”Interpol” verließ Carlos Dengler (Bass, Keyboards) die Band. Das Damoklesschwert der bevorstehenden Trennung schwebt somit über dem kompletten Album und unterstützt die melancholisch-düsteren Triebfedern, die die Musik von Interpol seit nunmehr 13 Jahren bewegen. Ein neues Kapitel beginnt erst jetzt und die Entwicklung der Post-Dengler-Zeit wird eine sein, die man mit Spannung mitverfolgen möchte. Die englischste aller amerikanischen Bands steht vor einer Kreuzung und hinterlässt mit ihrem selbst betitelten Album ein Werk, das noch eine Weile nachhallen wird.
[Sascha Knapek]

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