The Black Crowes – Croweology



Best-Of-Compilations sind so eine Sache. Für Fans taugen nur die wenigsten etwas, und wenn man tiefer in die Materie vordringen möchte, kratzt man mit den enthaltenen Hits meistens auch nur an der Oberfläche. Mit den zwei Discs von “Croweology“ gehen die Black Crowes einen gänzlich anderen, erfrischenden Weg.

Sie versuchen erst gar nicht ihre zentralen Songs einfach nur auf einen Zettel zu schreiben und dann chronologisch in den ursprünglichen Albumversionen auf Silberlinge zu pressen (und außerdem gab es 2000 so etwas ja bereits unter dem Titel “Greatest Hits 1990-1999: A Tribute To A Work In Progress…“). Auf “Croweology“ interpretieren die Krähen 20 Fanfavoriten neu – das Hauptaugenmerk liegt auf einer akustischen, freien und jamgetränkten Herangehensweise. Was dabei herauskommt, ist einfach nur fantastisch und zeigt, aus was für edlem und zeitlosem Holz die Black Crowes geschnitzt sind.

Die 20 handverlesen Songs gehören ohne Frage alle zu den besten, die die Gebrüder Robinson und ihre Kollegen im Repertoire haben. Vom umwerfenden, 1990 veröffentlichten, Debüt “Shake Your Money Maker“ (“Jealous Again“, “Sister Luck“ und “She Talks To Angels“ wurden für “Croweology“ überarbeitet) bis hin zum 2001 vor einer mehrjährigen Pause herausgebrachten “Lions“ (“Soul Singing“), wurde jede der ersten sechs Studioplatten der Crowes bedacht. Obendrauf gibt es mit “She“ und “Cold Boy Smile“ noch zwei bisher unveröffentlichte Songs, die der Songsammlung eine äußerst willkommene B-Seiten-Tiefe gibt.

Von den ersten Gitarrenriffs des Openers “Jealous Again“ bis hin zur abschließenden Übernummer “Bad Luck, Blues Eyes, Goodbye“ ist “Croweology“ ein faszierendes Zeitdokument einer herausragenden Band. Wie die Black Crowes 20 Jahre alten Nummern mal so eben frisches Blut einverleiben und bei aller Songorientierung eine rauchende Jam-Band bleiben, ist überwältigend gut. Dermaßen waschechte Rock’n’Roll-Bands gibt es heutzutage nur noch selten. Kaufen, hören, staunen! Mehr kann man zum akustischen Gewand von Stücken wie “Ballad In Urgency“, “Wiser Time“, “My Morning Song“, “Girl From A Pawnshop“ oder “Thorn In My Pride“ nicht sagen.

“Croweology“ wird von einer Tour begleitet, die die Black Crowes leider erneut nicht nach Deutschland führen wird. Äußerst schade, denn die Abende werden aus je einem akustischen und einem elektrischen 90-Minuten-Set bestehen. Nach dem Ende der Tournee steht eine erneute, längere Crowes-Auszeit an. Es sei ihnen gegönnt.
[Sascha Knapek]

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