Avett Brothers – I And Love And You



Musik machen, Platten aufnehmen, auf der Bühne stehen. Alles schön und gut, aber auf den „großen Durchbruch“ warten die meisten „kleinen“ Bands trotzdem vergeblich. Viele gute Sachen fallen dabei unter den Tisch. In dessen Kante beißt man, wenn man sieht, welche Murx-Combos manchmal gut dotierte Plattenverträge bei Major-Labeln bekommen und eigentlich noch viel zu schlecht fürs Straßenfest in Castrop-Rauxel sind. Die Welt ist ungerecht, geschenkt. Wie man als Band aus diesem mitunter irrwitzigen Kreislauf entkommen kann? Man muss nur jemanden mit genug Einfluss finden, der einen Narren an einem frisst. So wie die Avett Brothers. Die fanden Rick Rubin – bzw. er fand sie, ganz wie man will – und sind nun bei Sony. Eine Geschichte, die in Zukunft gerne öfter als Vorbild herhalten kann.

In den Staaten erschien das Major-Debüt “I And Love And You“ der Avett Brothers schon im letzten September. Die Lobeshymnen sind also längst schon über den großen Teich geschwappt. Wer trotzdem jetzt erst mit den 13 enthaltenen Tracks in Berührung kommt, wird schnell verstehen, warum die neue Platte von Seth Avett, Bob Crawford, Joe Kwon und Scott Avett vielerorts für Jubelstürme gesorgt hat. Das Quartett mischt traditionelle Bluegrass- und Folk-Muster mit der Leichtigkeit von riesengroßen Pop-Entwürfen – tanzbar und trotzdem tief in der Americana-Tradition verwurzelt.

Bei den Pianonummern erinnern die Avett Brothers nicht selten an Ben Folds. Weniger kindsköpfig, Veranda-seelig trifft’s wohl eher. Solche Quervergleiche fallen einem einige ein, aber keiner, der das komplette Album zusammenfasst. Gerade das macht die Avett Brothers anno 2009/10 aus. Das selbst gekochte Süppchen schmeckt doch immer noch am besten. Inspirieren lässt sich das Quartett vielerorts, aber das, was am Ende rauskommt, gab’s vorher in dieser Form noch nicht. Rick Rubin setzt das dann noch gewohnt trocken um und sorgt dafür, dass die Avett Brothers die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Und nebenbei ist “Slight Figure Of Speech“ übrigens einer der größten Hits des bisherigen Jahres. Ein Album, über das man sich einfach nur freuen kann!
[Sascha Knapek]

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