Zazie



Zazie Dans Le Metro ist Malles “Spiel”-Film. Ein Werk, bei dem sich der Regisseur frei austoben konnte. Als Vorlage hierfür diente ein wegweisender Roman von Raymond Queneau.

Die Handlung von “Zazie Dans Le Metro” läßt sich ganz leicht auf einen simplen Strang herunterbrechen. Die junge Zazie besucht ihren Onkel in Paris. Während Ihre Mutter sich mit einem Liebhaber vergnügt, düst Zazie wie der Road Runner durch die Stadt und wird von ihrem sonderbaren Onkel gejagt. “Fonwostinktsnso” ist der erste Wortkomplex der amüsanten und rasanten Buchvorlage von Raymond Queneau, die von ihren Neologismen, Sprachspielen und der ständigen Dialogform lebt, durch die der Roman eine neue Geschwindigkeit entwickelte. In seiner Adaption gelang es Louis Malle 1960 die Ästhetik Queneaus mithilfe cinematographischer Mittel in die Sprache des Films zu übersetzen. Dabei fand er in altbewährten und modernen Techniken ein filmisches Äquivalent zu den sprachlichen Möglichkeiten des Romans. Immer wieder nutzt Malle hierbei die filmischen Mittel und spielt mit Schnitten, dem Ton und der Farbgebung. Eisenstein hätte an dem clever konstruierten Ergebnis vermutlich großen Spaß gehabt.

Und Malle lehnt den Film auch tatsächlich an die ersten Gehversuche des Films an und schafft hier eine kleine Hommage und ein Bindeglied. Immer wieder greift er zu Slapstick-Elementen, die an Stummilm-Klassiker erinnern. Das enorme Tempo, das Queneau in seinem Roman durch die Dialogform und knappe Sätze vorgibt, hält Malle in seinem Film und entwickelt durch zahlreiche Tricks eine amüsante Verfolgungsjagd durch Paris, die es selbst mit modernen Actionilmen aufnehmen kann.

Im Mittelpunkt des Films steht natürlich die junge Zazie. Eine Figur, die sowohl im Film, als auch in der Buchvorlage von der Ambivalenz lebt und dabei zwischen Rotzgöre und süßem Kind, zwischen Disney-Figur und Nabokovs Lolita pendelt. Die einzigartige Mundart der jungen Zazie wurde inklusive der unzähligen Flüche und Beleidigungen von Malle übernommen und sorgte dafür, dass der Film in der DDR sprachlich entschärft werden mußte. Das hyperaktive Kind wirkt mit all ihren Wünschen und Sehnsüchten wie eine Verkörperung der “modern times” mit ihren Begleiterscheinungen wie den ersten Anzeichen des Konsumwahns, dem stetigen vertikalen Streben und der Geschwindigkeit. Der Film, der immer wieder vom Hauptgleis abkommt und sich in kleinen Nebengeschichten verfährt passt zur ständigen Ablenkung der Moderne.

So ist “Zazie Dans Le Metro” ein großer Spaß und Malles Sicht auf die Modern Times. Eine rasante Schnitzeljagd durch den neu entdeckten urbanen Raum der Stadt Paris.

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