Pawel – Pawel



„Von dem ganzen Bumbum wird man ja mit der Zeit blöd.“ Wenn man diesen Satz liest, würde man zunächst wohl kaum auf den Gedanken kommen, dass er von einem Musiker aus der Technoszene stammt.

Die Rede ist von Paul Kominek, bisher vor allem als „Turner“ bekannt Unter diesem Pseudonym veröffentlicht er zunächst housig-anmutenden Elektropop, unter anderem auf dem Hamburger Label „Ladomat“. In seiner hanseatischen Wahlheimat zählt er von Anfang an zu dem vor 10 Jahren gegründeten Dial-Label, in dem auch andere bekannte Größen wie Efdemin oder Pantha Du Prince zu Hause sind. Desweiteren könnte man noch etliche Singles und Remixes, die aus seiner Feder stammen ( u.a. für Depeche Mode oder Miss Kittin ) aufzählen – die Liste scheint endlos und ist sogleich Spiegel einer großen Erfolgsgeschichte.

Nun erscheint das lang erwartete Debütalbum seines Projektes „Pawel“. Die einzelnen Tracks zeichnet ein housiger Grundrhythmus aus, zu dem sich subtile Glockenklänge, verspielte Melodiesequenzen und – im Gegensatz zu Turner – wenige Vocalmomente gesellen. Das Album scheint eine Synthese verschiedenster musikalischer Stationen in Komineks Leben darzustellen, zu denen neben der „Hamburgerfahrung“ auch die Clubjahre im Frankfurt der 90er oder Reisen durch Südamerika und Asien gehören. Der für Titel wie „Panamerican“, „Coke“ oder „Mate“ typische Sound ist zudem etwas, das sich vom üblichen, kommerzialisierten „Bumbum“ deutlich abgrenzt. Ob Pawel in seinem Zitat darauf anspielen oder sich – im Gegenteil – selbst ironisieren möchte, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Fakt ist, dass er, sowie seine Kollegen bei „Dial“ zu den Künstlern gehören, die die pittoresken Momente wieder auf den Dancefloor zurücktransportieren – ganz im Sinne des Technos Detroiter Schule, auf den man hier Rückbezug nimmt.

In der Idee, ohne Profitgedanken als Kollektiv zu arbeiten liegt die Wurzel für die Vielfältigkeit der Musik bei Dial – man bringt eben Musik raus, die gefällt – und das ohne dabei einem bestimmten Grundkonzept zu folgen. Das Ergebnis ist vor allem Deephouse, Techno und Ambient – eher zum berauschenden Hören als zum hemmungslosen Tanzen erdacht. „Pawel“ ist nur ein weiteres Beispiel hierfür.

Die Rückkehr zum Ursprung, Melancholie, Tiefe, subtile Momente…Das klingt fast nach postmoderner, deutscher Romantik.
[Bärbel Scherf]

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