Peter Broderick & Machinefabriek – Blank Grey Canvas Sky



In the autumn time
when the sky is a blank grey canvas
I don’t wanna paint on it

Cause all those colors blind me
spinning all around me
round and round and round
and round and round and
round and round and round


Betrachtet man die CD „Blank Grey Canvas Sky“, entstanden 2009 aus der Kollaboration von Peter Broderick und Machinefabriek aka Rutger Zuydervelt, fallen diese Zeilen als Allererstes auf, die die Innenseite des Digipaks zieren.

Obwohl hier viel Interpretationsspielraum gegeben ist, wird in gewisser Weise trotzdem mit einer bestimmten Erwartungshaltung gespielt. Wozu nützt eine Leinwand, wenn sie leer bleibt? Findet man ein düster-melancholisches Album vor, eintönig und farblos, so wie der beschriebene Himmel im Herbst? Hört man zum ersten Mal „Departure“, so möchte man das fast meinen. Schwerfällige Pianoakkorde, hier ein Rauschen, da ein Knarzen, irgendwann setzen Streicher mit einem dunklen, langgezogenen Ton ein.

Dann werden die Streicher lauter, übertönen das Piano, alles steigert sich dramatisch, bis sich der Klangteppich wieder auflöst – was übrig bleibt, ist das tiefe Dis und ein gelegentliches Rauschen. Kommt man allerdings zu den folgenden Tracks, wechselt sich diese schwere Grundstimmung mit heiteren und dynamischen Momenten ab – und das ist wohl der Grund, warum es sich als so genial herausstellt. Brodericks verspielte und leichte Art und Weise, die er in das Spiel seiner Instrumente legt (was man vor allem beim Hören seiner diversen Soloalben feststellt) wird durch Zuydervelt’s elektronische, schwerer anmutende Elemente ausgeglichen.

Dieses Nebeneinander von Leichtigkeit und Schwere findet man nicht nur in den Tracks selbst, sondern auch in den Titeln. Ein schönes Motiv ist beispielsweise „Kites“, also „Drachen“. Wer schon einmal versucht hat, einen solchen in die Luft zu befördern, weiß, dass sich das ersteinmal als schwierig herausstellen kann. Ist er dann hoch oben, scheint er wie von selbst zu schweben. Dieser dritte, also in der Mitte stehende Titel erinnert vom Ablauf her an dieses Drachen-Steigen-Lassen. Ein tiefer, schwerer Orgelton, Piano, Streicher, Knarzen. Alles scheint in Drone-Manier zu verschmelzen, steigert sich bis zu einem gewissen Höhepunkt, bis es wieder reduziert wird, sich auflöst. Da hier alle wichtigen Bestandteile des Albums zusammenfinden, könnte man auch sagen, dass dies wohl der Kerntitel desselben ist – denn auch das Cover ziert ein in hochgewachsenem Ährengras liegender Drache – eine Fotografie Peter Brodericks.

„Rain“ ist wohl am minimalistischsten gehalten. Hier baut sich, im Gegensatz zu den vorhergehenden Tracks, keine Spannung auf. Stattdessen kommen zu den ruhigen Gitarrensounds Vocals von Broderick und Susanna Lundgren hinzu. Ob das als so passend erscheint, darüber kann man sich streiten. Wo die CD sonst so gar nicht aufdringlich wirkt, bildet der überraschend auftretende, zweistimmige Gesang fast schon einen Störfaktor, allerdings ist das auch der einzig negative Punkt, den man anführen kann. Die letzten beiden Titel holen dann noch einmal alles heraus, was das Album zu bieten hat. Beide gestalten sich als absolut einfühlsam und melancholisch, vor allem „Homecoming“, das auch vom Klavierspiel Nils Frahms geprägt ist, der in diesem Track mitwirkt. Von der anfänglichen Düsternis bzw. Schwere ist nun gar nichts mehr zu spüren, da diese im Laufe der Zeit immer mehr verschwindet. Peter Broderick selbst sagt dazu Folgendes:
We tried a lot of different things on this album, pushing ourselves to explore new areas… And for me the result is the collection of music I feel most proud of so far.

Im Grunde kann man diese Aussage nur bestätigen, denn durch die Zusammenarbeit mit Machinefabriek erreichen die entstandenen Stücke durch die Symbiose der beiden einen besonderen Reiz. Das Nebeneinander von Drone und klaren Melodiesequenzen, von Instrumentellem und Elektronischem, das Experimentieren mit der Lautstärke – die „Reise“ die beide Künstler unternehmen endet in „Homecoming“ – und wohl auch in der Liebe zum Minimalismus.
Cause all the colors blind me.
[Bärbel Scherf]

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