Jonas Mekas 2



Der Filmkünstler Jonas Mekas zählt zu den Herzschrittmachern des Undergroundkinos und zu den wichtigsten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts. Sein Selbstverständnis als Filmkünstler subsumierte der alte Mann mit der Bolex Kamera einst mit den Worten “I am not a film director because I direct nothing. I just keep filming”.

Der Besuch der Jonas Mekas Ausstellung im Kölner Ludwig Museum November 08 – Februar 09 gleicht einem audiovisuellen Overkill. In mehreren Räumen verteilt, versuchte man dabei die Kunst und das Leben der Kultfigur Mekas liebevoll zusammenzufassen. Dass dies ein schwieriges, wenn nicht gar unmögliches, Ziel ist, war mit Sicherheit von Anfang an klar. Schließlich sollte hier die Essenz eines mehr als 50 Jahre langen Schaffens als Künstler und über 80 Jahre langen Lebens in einigen Räumlichkeiten exponiert werden.

Eines Lebens, das 1922 in Litauen begann undbereits wenige Jahre später immer wieder kurz davor war abrupt beendet zu wenden. Jonas Mekas erlebte das gesamte Leiden eines simplen Jugendlichen in Litauen während des Nazi-Regimes. Schreckensbilder vom Mißbrauch der Familienmitglieder, Deportation in ein Arbeitslager, Heimatlosigkeit so wie der Verlust der Vergangenheit und der eigenen Identität. Wie er im Interview mit Jérôme Sans verriet, sei dieser Raub der Jugend und der eigenen Erinnerungen an glückliche Zeiten eine seiner Motivationen den Moment in seiner Kunst festzuhalten. Auch der Protest gegen die Filme, die im Anschluß an den zweiten Weltkrieg zur Aufklärung präsentiert wurden, war ein Motiv für Mekas selbst die Kamera in die Hand zu nehmen.

Die Filme und die dazugehörigen Frozen Film Frames bestehen zu großen Teilen aus schlichten 16mm Aufnahmen, die wie Tagebucheinträge wirken. Oft sind diese nebensächlich, doch meist berührend und wunderschön. Eine Lehrstunde in Sachen Leben und Genuss der alltäglichen Schönheit. Nach seinem Philosophiestudium in Mainz wanderte Mekas mit seinem Bruder Adolfas nach New York aus, wo er sich kurz darauf seine geliebte Bolex Kamera kaufte, mit der eben diese Filme entstanden sind.

Seine bekanntesten Werke wie Walden – Diaries Notes and Sketches (1969) oder As I Was Moving Ahead Occasionally I Saw Brief Glimpses of Beauty (2000) wirken dabei wie kleine Collagen dieser Tagebucheinträge. Nebenbei war Mekas lange Zeit Filmkritiker, wobei er sich von dem Begriff am liebsten distanziert und sich als Filmenthusiast bezeichnet. So gründete er 1954 mit seinem Bruder die Zeitschrift Film Culture und hatte eine eigene Kolumne im New Yorker Stadtmagazin The Village Voice. Er zählte zu den Ersten die den Stellenwert der experimentellen Filme Warhols wie Eat oder Sleep erkannten und arbeitete mit Warhol ebenso wie mit Künstlern wie Dali oder Musikern wie John Lennon.

Dass Mekas auch der Schritt in den virtuellen Raum gelang, beweist er auf seiner eigenen Internetseite. So wurde sein 365 Project, bei dem er 2006 ein Jahr lang täglich einen kurzen Film drehte, stets aktuell auf dieser Internetseite präsentiert. Hier gibt es ebenfalls die Möglichkeit viele kurze und längere Filme des Filmemachers anzuschauen.


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2 Gedanken zu “Jonas Mekas

  • Kathrin De Santis

    Weiß vielleicht irgendjemand, ob die Mekas Filme inzwischen auf DVD erhältlich sind? Ich würde „Walden“ dringend benötigen.

  • Sebastian

    Seit einiger Zeit gibt es eine Box mit den „Major Works“. Ist zwar eine schwere Geburt sie zu bekommen, aber man kann sie importieren.