Das Irrlicht



Designing a suicide. Louis Malles Film “Das Irrlicht” (Le Feu Follet) fokussiert die letzten 48 Stunden im Leben des lebensmüden Alain Leroy.

Nachdem sein Film “La vie privée” sich eher zu einem Flop entwickelt hatte und durchwachsene Kritiken bekam, zog sich Louis Malle 1961 zurück und verbrachte unter anderem einige Monate in Algerien, wo er wieder als Dokumentarfilmer tätig sein wollte. Das Drehbuch zu “Le Feu Follet” schrieb er nach seiner Rückkehr nach Frankreich. Als Vorlage hierfür diente ein Roman von Pierre Dieu La Rochelle, der darin den angekündigten Selbstmord seines Freundes, des Dadaisten Jacques Rigaut, verarbeitete.

Laut Selbstaussage in “Malle über Malle” prägte ihn dabei zudem der Selbstmord eines seiner Freunde und die eigene Lebenskrise. Im Mittelpunkt steht hier Alain Leroy, der sich nach einigen recht exzessiven Jahren aufgrund von Depressionen und Alkoholproblemen in eine Klinik zurückgezogen hat. Dort lebt er seinen geregelten Alltag fernab der Großstadt und seiner Ehefrau. Alain hinterläßt als Figur einen zwiespältigen Eindruck und ist somit eine typische Malle Filmfigur. Er pendelt hier stets zwischen der Ennui eines Dandys, Melancholie und egozentrischer Suizid-Romantik. Er soll gar nicht die Rolle des sympathischen Melancholikers spielen, kein Fünkchen Heroik wird ihm hier gegönnt. Wie so oft liefert uns Malle hier kein klares Bild, läßt seine Hauptfiguren immer wieder gegen die Grenzen der Moral treten.

Auch die Musikbegleitung spielt hier wieder eine große Rolle. Nach Miles Davies im “Fahrstuhl zum Schafott” ist es hier Eric Satie, der mit seinem gespenstischen Klavier die Stimmung unterstützt. Die Dreharbeiten zu “Le Feu Follet” waren ein Kampf. Louis Malle im Kampf gegen seine eigenen Stimmungen, auf Selbstsuche und im Kampf mit dem Hauptdarsteller Maurice Renet, der laut Malles Aussage unter Alkoholproblemen litt. In dem Film griff Malle im Anschluß an den kunterbunten Trip “Zazie” – ähnlich wie bereits bei “La Vie privée” zu schwarzweiß Bildern.

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