Tori Amos – Midwinter Grace



Ein kreativer Erfolg war ja leider schon das letzte Studioalbum, “Abnormally Attracted To Sin“, von Tori
Amos nicht gerade. Gut ein halbes Jahr nach dem zu pompös geratenen zehnten Album kommt nun die erste Weihnachtsplatte der Amos. Sieben Klassiker des Genres mixt sie dabei mit fünf Originalen – von großartig bis peinlich deckt sie das komplette Wahrnehmungsspektrum ab.

Wenn Fabelwesen Weihnachten feiern würde, wäre “Midwinter Graces“ der perfekte Soundtrack. Cover und Back-Sleeve präsentieren Tori Amos und einen in weiß gekleideten Jüngling, als, in Tony Kushners ästhetischen Sinn, gen Himmel schwebende Engel. Amos fehlen die Flügel, vielleicht will sie sich die durch die zwölf Songs auf “Midwinter Graces“ verdienen. Allerdings schwebt 46-jährige US-Amerikanerin dabei wiedermal über allem, oft sogar ihren eigenen Songs.

Im Vorbeifiegen kredenzt sie uns ihre neuen Stücke. Für die Fans wird’s erhabene Besinnlichkeit sein, für den Rest zu dick aufgetragene Saisonmusik. Amos‘ Klavier taucht zwar wieder in einer prominenteren Rolle als zuletzt auf, aber im Rampenlicht ist es leider noch lange nicht (wieder).
Ein normales Album ist “Midwinter Graces“ beileibe nicht. Tori Amos setzt sich als undurchsichtige Besinnlichkeits-Chanteuse in Szene und lenkt somit dann doch etwas von der abgegriffenen Idee des Weihnachtsalbums ab. Die Coverversionen sind ganz nett, aber Amos stellt hier, wie in den letzten Jahren leider zu oft, ihr Licht ein bisschen unter den Scheffel. Originale bleiben ihre Stärken.

Und sollten diese in Zukunft auch mal wieder weniger weichgezeichnet, durchaus brüchig und voller Elan daherkommen, dann freut man sich auch wieder auf Neues aus dem Hause Amos. Die Neuigkeiten des Jahres 2009 verbuchte man eher nüchtern, als das man sie euphorisch feierte. Das
Warten auf einen neuen Meilenstein geht also weiter. “Under The Pink“ wird im Januar 16 – wie doch die Zeit vergeht.
[Sascha Knapek]

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