Shannon Wright – Honeybee Girls



Die Liste der Künstler, mit denen Shannon Wright im Laufe der letzten zehn Jahre zusammengearbeitet hat, ist beeindruckend. Yann Tiersen, Calexico, Low und unzählige Andere entdeckten die Musikerin bereits für sich. Im Falle von Yann Tiersen kam bei der Kollaboration gar ein Longplayer heraus. Am stärksten ist die Songwriterin jedoch noch immer, wenn sie auf sich alleine gestellt ist.

Bewiesen hat sie dies zuletzt vor zwei Jahren, als sie mit dem fantastischen Album „Let In The Light“ endlich hier in Deutschland zumindest etwas Beachtung fand. Auf ihrem neuen Mini-Longplayer (die Platte ist mit 30 Minuten nur etwas länger als ein durchschnittliches Speedmetal-Album) geht die Songwriterin aus Atlanta zwischendurch auch wieder aggressiver zur Sache. Und damit gelingt ihr gemeinsam mit ihrem Produzenten Andy Baker der Spagatt aus ungebügelten Rocknummern und düsterem Folk.

Den Anfang macht zunächst das verträumt herbstliche „Tall Countryside“. Kaum hat sich der Hörer jedoch in den Melancholiemodus begeben, wechselt Shannon Wright die Gitarre. Mit „Trumpets On New Year’s Eve“ und „Embers in Your Eyes“ gibt es zwei Songs die der Musikerin aus Atlanta eindeutig unter den Nägeln zu brennen scheinen. Hier geht es ungeschliffen daher wie auf Wrights Album „Over The Sun“. Der Gedanke an die frühe PJ Harvey drängt sich im Laufe der Platte immer mal wieder auf, obwohl Steve Albini diesmal nicht an der Produktion beteiligt war. Auch Lisa Germanos stimmungsvolle Songs dürften hier als Referenz passen. Einzig der Song „Never Arrived“ wirkt auf diesem Album völlig überflüssig. Spätestens bei „Asleep“, einem der schönsten Smiths Cover überhaupt, hat man ihr diesen Ausrutscher jedoch wieder vergeben.

Keine Frage, Shannon Wright spielt als ewiger Geheimtipp in der Liga der ganz Großen. Und auch wenn ihr Album etwas kurz ausfällt, gelingt ihr hier ein guter Beweis ihres vielseitigen Könnens.
[Sebastian Jegorow]

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