Tom McCarthy – 8½ Millionen


Was würdest du tun, wenn du plötzlich £8500000 bekommen würdest? Die Titelfgur in Tom McCarthys gefeierten Debütroman fndet ihre eigenen sonderbaren Wege die unvorstellbare Summe zu verpulvern und bietet damit den Stoff für einen unterhaltsamen und zugleich philosophischen Roman.

Wenn der Diaphanes Verlag, der sonst für deutschsprachige Übersetzungen der Arbeiten wichtiger Denker wie Judith Butler oder Alain Badiou bekannt ist, einen Roman veröffentlicht, dann schaut man natürlich mit besonderem Interesse hin. Seit etwa einem Jahr bietet der Verlag auch ein literarisches Programm an. Tom McCarthys Debüt ist dabei der neueste Streich des Verlages und dürfte sich hierzulande recht gut verkaufen. Tom McCarthys “8 ½ Millionen” (im englischen heißt der Roman “Remainder”) fand im Ausland bereits auf großen Zuspruch und war sogar einige Wochen lang auf Bestsellerlisten vertreten.

Der Roman setzt nach dem Unfall ein, der dem namenlosen (Un)glückspilz die satte Abfndung von 8 ½ Millionen Pfund einbringt. Was beim Unfall passiert ist, darf der Erzähler aufgrund der Abmachung auch uns Lesern nicht verraten. Was in ihm jedoch nach seiner Rehabilitation vorgeht, erzählt er uns ausführlich. Plötzlich fndet eine Entfremdung statt, bei der ihm seine Aktionen wie second hand erscheinen. Überhaupt wirkt sein Leben plötzlich noch chaotischer als zuvor. Beim Anblick eines Risses in der Wand bekommt er plötzlich ein Dejá vú Gefühl und die Vision von einem Haus, das er im Anschluss von seinem vielen Geld inklusive aller Details wie der Bewohner oder Handlungsweisen reinszinieren läßt. Ein irres Vorhaben, von dem er plötzlich besessen ist. Als sich mit der Vollendung seines Projekts kein Glücksgefühl einstellt, weitet er seine Reinszenierungen aus. Diese nehmen immer skurillere Formen an.

Dabei ist der Roman trotz der leichtfüßigen Erzählart und des spannenden Plots ein clever konstruiertes Quilt, der aus unzähligen Zitaten und Anspielungen besteht. McCarthy liefert sich hier ein lockeres Passspiel mit Sartre, Baudrillard und unzähligen Schriftstellern, die er allesamt in sein Universum integriert. Die Hauptfgur, die im Anschluß an den Unfall in einer ihr sonderbar erscheinenden Welt aufwacht, entwickelt einen Ekel vor den Handlungen, die ihr unecht erscheinen. Sie entwickelt ihre eigenen Simulationen, deren Ursprünge teilweise nicht nachverfolgt werden können und zum Ende hin mit der offziellen Realität verschwimmen.

Mit diesem Roman kann man sich wohl ein ganzes Semester lang beschäftigen und die einzelnen Referenzen und Aussagen untersuchen oder ihn irgendwo als spannende Urlaubslektüre zur Unterhaltung lesen. Verrückt.

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