William Fitzsimmons – The Sparrow And The Crow


William Fitzsimmons, Diplommelancholiker und begnadeter Songwriter mit ZZTop-Gedächtnisbart, hat in seinem Leben mehr durchgemacht als alle Lew Tolstoi und Eugene O´Neill Figuren gemeinsam. Nun liefert er uns das dritte Kapitel seiner persönlichen Geschichte.

Fitzsimmons ist als Sohn blinder Eltern in einem Raum der Klänge aufgewachsen, der sich nach der Trennung der Eltern und dem Suizid seiner Großmutter in einen Ort der Depressionen verwandelte. Diese Schicksalsschläge schnitt Fitzsimmons stets in seiner Musik an. Bewegendstes Beispiel hierfür ist der Song „Everything Has Changed“, der die Veränderungen nach dem Selbstmord seiner Großmutter in den Fokus rückt. Auf seinem neuesten Album verarbeitet der smarte Songwriter aus Jacksonville das aktuelle Kapitel seiner Lebensgeschichte, die Scheidung von seiner Frau.

Nachdem sein Debüt „Until We Were Ghosts“ mithilfe eines billigen Mikrofons an seinem Heim-PC entstanden ist und auch „Goodnight“ trotz einiger Elektrospielereien eine Heimaufnahme war, ging es diesmal gemeinsam mit dem Produzenten Marshall Altman (Matt Nathanson) in ein Studio. Während man Altman für seine schrecklich schmierige Matt Nathanson Produktion noch an den Pranger stellen wollte, macht er bei seiner Zusammenarbeit mit Fitzsimmons plötzlich alles richtig. „The Sparrow And The Crow“ setzt musikalisch an dem Punkt an, an dem Fitzsimmons „Goodnight“ ausklingen ließ. Das wunderschöne Intro „After Afterall“ schlägt die Brücke zum Vorgänger und ist eine gelungene Einführung in die Magie regennasser Straßen und herbstlicher Grautöne, die auf den Hörer zukommt. Textlich kreist Fitzsimmons dabei stets um die schmerzhafte Trennung von seiner Frau, die im rührenden Walzer „Find Me To Forgive“, in dem er beängstigend traurige Zeilen wie „Would you forgive me or bring flowers to me by the grave?“ oder „Will you look the same when I meet you up there? Remember my name please“ zur leisen Akkordeon-Begleitung und einem prägnanten Pianothema anstimmt. Am Ende steht mit „Goodmorning“ jedoch ein versöhnliches Outro, das die Platte mit einer Wiederholung der Worte „Goodmorning You Will Find Love“ ausklingen läßt.

Man könnte Fitzsimmons natürlich die musikalische Wiederholung und seinen Alben den Mangel an Abwechslung anmäkeln. Beim genauen Hören werden jedoch die zauberhaften Nuancen hörbar, die „The Sparrow And The Crow“ so kostbar machen. Die Liebkosung der Gitarre in „Please Forgive Me“, die Backing Vocals bei „I Don´t Love You Anymore (The Song Of The Sparrow)“ und das schmerzende Klavier in „We Fell Alone“ sind nur drei der unzähligen Momente. Am ehesten erinnern die Songs damit an die zarten Glanztaten von Rosie Thomas.

Mit seinem neuen Album läßt William Fitzsimmons in der Kategorie Heartbreaker selbst Ryan Adams „Love Is Hell“ hinter sich. Hut ab.

[Sebastian Jegorow]

William Fitzsimmons – „After Afterall“ from Downtown Music on Vimeo.

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