The Swell Season – Strict Joy


In Irland ist Glen Hansard dank der Frames bereits seit der 90er ein Star. In Deutschland ist ihm der Aufstieg in den Indie-Olymp erst mit dem Film „Once“ gelungen, in dem er einen begnadeten Staubsaugerflüsterer und Straßenmusiker mimte.

Selbst den Oscar gewann das Duo Hansard/Irglova für die Soundtrackarbeit. Nun gibt es die mit „Strict Joy“, das nach einem Gedichtband des Irischen Poeten James Stephens benannt wurde, die Nachfolgeplatte zum gefeierten Swell Season Debüt. Die Songs sind wundersamerweise weniger melodramatisch. So umschifft das Duo sämtliche Pathos-Fallen und verzichtet auf übergroße Dramatik, die den Vorgänger hin und wieder in´s nervige abgleiten ließ. Verantwortlich hierfür ist ebenfalls Produzent Peter Katsis (The National, Interpol), der die Harmonie der beiden Musiker perfekt einfängt. Das Ergebnis ist eine überaus reizende Songwriter-Platte. Songs wie „Paper Cup“, „The Rain“ oder „In These Arms“ sind fragil und beherzt zugleich. Von dem befürchteten Aufguss kann hier wahrlich nicht die Rede sein. Einzig mit „I Have Loved You Wrong“ gibt es einen verloren geglaubten Song aus „Once“.

Hansards Kompositionen besitzen noch immer genug Gefühl, um von den Frauenzeitschriften dieser Welt eher dem Herbst-Typ zugeordnet und mit Attributen wie „emotional“ oder „intensiv“ ausgezeichnet zu werden, drücken jedoch an keiner Stelle auf die Tränendrüse. Dieser perfekte Balanceakt ist wohl die größte Stärke dieser Platte, die Hansards stärkstes Album seit „Burn The Maps“ ist.
[Sebastian Jegorow]

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