The Antlers – Hospice



In Sachen The Antlers hat der Hypemann bereits zweimal geklingelt. Das Album der Antlers hat in den Blogs dieser Welt viel Lob geerntet und Pitchfork zu großer Euphorie bewegt. Nun erscheint das traurige Konzeptalbum auch bei uns.

Hier wird eine Geschichte erzählt, die man in der Popmusik sonst höchstens von The Paper Chase erwarten würde. Wikipedia bringt es auf den Punkt: „The album tells an explicit story (in first and second person narrative) of a man losing a loved one to bone cancer and watching her die in the Sloan Kettering Cancer Ward while he is beside her. Memories, regret and grief occur throughout the album“. Und selbst dies ist nur die Hälfte dieser Geschichte.

Der Prolog führt den Hörer hinab in die Einsamkeit des Erzählers, in der ihn das wunderschöne „Kettering“ zur Begrüßung umarmt. Wie eine Unterwasseraufnahme wirkt dieser Song. Ein leises Klavier, Peter Silbermans Stimme und schließlich befreiende Gitarren. All dies in weiter ferne, so nah. Auch die Texte lassen die Platte wie einen Dogma-Film (vorzugsweise von Susanne Bier) wirken. Zeilen wie „and walking in that room when you had tubes in your arms those singing morphine alarms out of tune“ müßen erst einmal verdaut werden.

Das darauf folgende „Sylvia“ kratzt an der Oberfläche und enthüllt die Brüche dieser so schon traurigen Geschichte. Kleine Absplitterungen, die eine gestörte Beziehung und tiefe Depressionen portraitieren. Musikalisch spielt die Band hier gekonnt mit Spannungen und wird zum ersten mal lauter. „Antrophy“ ist musikalisch betrachtet Sex pur. Es knistert und brodelt. Man weiß es wird laut Enden und genießt den Regenschauer aus leisen Beats und Klangwänden, die sich langsam aufbauen. Mit dem Trio „Bear“, „Thirteen“ und „Two“ erreichen wir den Höhepunkt des Albums, der stellenweise schon beinahe als eingängig bezeichnet werden kann. Im Epilog klingt Silberman plötzlich wie der wiedergeborene Buckley, der kurz vor dem Ende überraschend von der letzten musikalischen Pointe verschluckt wird.

„Hospice“ ist eine Platte, die man irgendwo zwischen Max Richter, Bon Iver und ..And You Will Know Us By The Trail Of Dead einsortieren möchte. Harter Tobak, eine dichte Atmosphäre und allerhöchster Genuß. Zum weinen schön. Zum weinen traurig.
[Sebastian Jegorow]

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