Blind Melon – For My Friends



Ungefähr 13 Jahre lang lag Blind Melon auf Eis. Shannon Hoon starb im Oktober 1995 an einer Überdosis und zwei Studioalben (“Blind Melon“, “Soup“), und eine Zusammenstellung mit übrig gebliebenem Material (“Nico“), waren die Vermächtnisse der großartigen Hippie-Grunger. Vom klassischen Rock der späten 60er und frühen 70er, Flower-Power-Ideen und alles, was man mit dem Überbegriff Seattle verbindet, wurde die in Kalifornien gegründete Band zu gleichen Teilen beeinflusst. Was man daraus machte, war einzigartig – alle drei Blind-Melon-Tonträger gehören in jede gut sortierte Plattensammlung.

2006 unternahmen die übrig gebliebenen Bandmitglieder dann einen neuen Versuch und auf einmal gab es den Namen, die Band, Blind Melon wieder. Im Unterschied zu Alice In Chains – die eine ähnliche Geschichte hinter sich haben und kürzlich ein Comeback-Album vorlegten – schien bei Blind Melon bei der Auswahl des neuen Sängers großes Augenmerk auf dessen stimmliche Ähnlichkeit zu Shannon Hoon gelegt worden zu sein. Man fand Travis Warren und nahm mit ihm “For My Friends“ auf. Ein Album, das man sich dank Warren auch nur zu gut mit Shannon Hoon am Mikro vorstellen könnte.

Es ist offensichtlich wen Travis Warren im Verlauf von “For My Friends“ imitieren möchte. Einen Vorwurf kann man ihm dabei auch gar nicht wirklich machen, eher ein Kompliment. Er macht seine Sache nämlich sehr gut. Die vierte Platte von Blind Melon setzt da ein, wo „Blind Melon“ anno 1992 aufhörte. Anschließend ging es mit “Soup“ und “Nico“ durchaus auch mal in ruhigere und experimentellere Gefilde. Der Erstling war wilder Rock’n’Roll und genau das versucht 16 (bzw. 17) Jahre später auch “For My Friends“. Man findet einen Anknüpfungspunkt und erweist dem Blind-Melon-Sound der ersten Stunde die Ehre. Man mag zum Neuaufguss stehen, wie man möchte, aber “For My Friends“ ist ein gutes Stück Musik.

In den Staaten erschien “For My Friends“ bereits vor anderthalb Jahren. Travis Warren hat die Band mittlerweile schon wieder verlassen, und wie – und ob – es mit Blind Melon weitergeht, steht in den Sternen. Offenbar ist die Band schon wieder am Ende, bevor es richtig losgehen kann. Aber nichtsdestotrotz, wer die Augen schließt und “For My Friends“ hört, sieht des Öfteren Shannon Hoon vor sich. Manche wird das freuen, manche werden melancholisch werden und manche werden’s ziemlich makaber finden.
[Sascha Knapek]

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