Antichrist



Es war ein kleines Kino im christlichen Krakau, in dem ich den umstrittenen Film an einem sonnigen Nachmittag im Juli sehen durfte. Oberlächlich betrachtet ist “Antirchrist” ein Film über Schmerz, der für den Zuschauer mehr als schmerzhaft ist und in dem Lars von Trier nach Björk und Nicole Kidman nun auch seine neue Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg durch die Hölle jagd.

Es beginnt mit einer recht pathetischen Bildsprache des Prologs. Ein Ehepaar hat (natürlich explizit dargestellten) Sex, während ihr Kind langsam aus dem Fenster stürzt. In dem darauf folgenden Film zieht sich das Paar zur Trauerbewältigung in eine Hütte zurück. Was darauf folgt hat mit den Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross wahrlich nichts zu tun. Der Terror des Dargestellten grenzt natürlich an Sadismus. All dies führt die Ästhetik des Unbehagens, die in den vergangenen Jahren in der Literatur und im Film immer wieder herbeizitiert werden konnte, an ihre Grenzen und erinnert an Eli Roths stumpfsinnige Gewaltorgie “Hostel” oder Brett Easton Ellis Überbietungsästhetik in “American Psycho”.

Drastische Gewaltszenen, genitale Selbstverstümmelung der Hauptdarstellerin (hier natürlich mehr als ein Haneke-Zitat) und die unheimliche Stimmung wären nur einige Beispiele des Terrors, dem der Zuschauer ausgesetzt wird. Charlotte Gainsbourg, die in diesem Paradise Lost über sich hinauswächst, hat die Goldene Palme mehr als verdient. Als wahnsinnige Idee des Femininen erinnert sie optisch immer wieder an Virginia Woolf, überschreitet eigene Schamgrenzen und tritt sogar William Defoe in den Hintergrund. Sprechende Tiere und Nietzsche an allen Fronten (Pathos und Musik, Titel, Dialogfetzen…). Hier werden unzählige Türen geöffnet. Der Fuchs, der “chaos reigns” sagt, bietet hier einen Anhaltspunkt. Eine andere Stütze wäre ein Verweis auf die Filme Lynchs. Mit “Antichrist” ist Lars von Trier ein genialer Mindfuck gelungen.

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