Múm – Sing Along Songs You Don´t Know



Es war eine neue Band, die uns 2007 das extatische “Go Go Smear The Poison Ivy” präsentierte. Nach dem Weggang der Valtýsdóttir-Schwestern entschieden sie die Ur-Múmler Örvar Þóreyjarson Smárason und Gunnar Örn Tynes zur Flucht nach vorne. Das Ergebnis wirkte unentschlossen und doch wieder entzückend. Zwischen neu entdecktem Pop-Gelüsten und der alten Zartheit schwebte die Band zwölf Stücke lang. Nun gibt es die neue Múm-Platte und mal wieder eine Weiterentwicklung.

Natürlich steht die Band noch immer für Island. Mit den weirdo Folk-Anschlägen, die den Hörer auf “Sing Along To Songs You Don´t Know” bezirzen, gelingt es dem verrückten Haufen vielleicht sogar mehr denn je dieses entzückende Land zu vertreten. Von den alten Múm muss man sich hier jedoch endgültig verabschieden und der Band entweder den Rücken zukehren oder sich mit den neuen Kompositionen, die häuig von weiblichen Harmoniegesängen getragen werden, anfreunden.

Der Opener macht einem die Entscheidung zunächst einfach. “If I Were A Fish” ist ein eingängiger Song, dem man kaum widerstehen kann, und auch “Sing Along” und “Prophecies And Reversed Memories” halten sich ohne große Schwierigkeiten über Wasser. Daraufhin scheint die Band jedoch den Faden zu verlieren und in der eigenen Harmonie zu ertrinken.

Angefangen bei “A River Don´t Stop To Breathe” wirkt die Musik plötzlich unpointiert und könnte eher als Fahrstuhlmusik im Märchenland verwendet werden. Und eben dies ist der Punkt, an dem der Hörer in Nostalgie verfällt und beginnt Kristin Anna Valtýsdóttir nachzutrauern. Da ist schon der Blick in´s Regal, auf der Suche nach dem “Pullhair Rubeye” Album oder alten Múm Platten, der dann jedoch beim schönen Folkstampfer “Killaballabalú” wieder auf das neue Werk gelenkt wird. Hier beginnt das Album wieder interessant zu werden. Mit “Ladies Of The New Century” gibt es zum Abschluß einen melancholischen und überraschend ruhigen Abschluß. Der Track könnte auch zum Indie-Film “Find Love” passen, den die alten Múm musikalisch begleiteten. Das versöhnt.

Früher war alles besser. Vielleicht verhält es sich mit den Múm Alben ähnlich. Die Sehnsucht nach dem Knistern und sanften Tuckern alter Tage ist groß. “Sing Along To Songs You Don´t Know” bietet jedoch genug Gründe zur Zufriedenheit mit dem Heute. Yesterday was dramatic, today is ok.
[Sebastian Jegorow]

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