Mark Knopfler – Get Lucky



Mit den Dire Straits wurde Mark Knopfler bekannt und lieferte in den 70er, 80er und 90er Jahren Gassenhauer wie “Sultans Of Swing“, “Money For Nothing“ oder “Walk Of Life“ ab. Die biedere Gleichförmigkeit der 80er wurden die Briten dabei allerdings nie wirklich los. Samt ihrer engen Hosen und den peinlichen Stirnbändern, die Frontmann Mark Knopfler auf der Bühne oft zur Schau trug, waren neben dem weitverbreiteten Plastiksound leider die Sünden, die zu jener Zeit dazugehörten. Dass Mark Knopfler seit jeher ein genialer Gitarrist und Songwriter ist, verschüttete die Stadion-Rock-Gestik manchmal ein wenig.


Aber spätestens, seitdem der 60-jährige seit 1995/96 auf Solopfaden wandelt, und weniger Bombast mit sich herumschleppt, macht es einem die selbst gewählte Fokussierung einfacher nur den außerordentlichen Gitarristen und hervorragenden Songwriter zu sehen. “Get Lucky“ ist nun Knopflers sechstes Studioalbum, die traditionellen Tracks zwischen Blues, Rock und Folk zeigen einen Mann, der nichts mehr beweisen muss. Und gerade das macht die elf enthaltenen Nummern so stark.

Der kleine Brite vertraut seinem Gespür für sein Saitenwerkzeug und spielt die Melodien so lässig, wie nur er es kann. Zehn Sekunden genügen und du weißt direkt, wer an der Axt sitzt. Kein vordergründiges Gepose, was man von Lead-Gitarristen ja nicht selten wie gottgegeben erwartet, sondern leises, songorientiertes Handwerk dominiert. Mit den Dire Straits hat Mark Knopfler noch auf den Putz gehauen, solo lässt er einfach nur noch seine Gitarre und seine Songs für sich sprechen.

“Get Lucky“ ist vielleicht Mark Knopflers zurückgelehnteste Platte geworden. Geschmeidig und unaufgeregt umschmeichelt sie dich und ist trotzdem viel mehr als eine nette Beschallungshilfe. Knopflers Songs erfordern Zeit und einen kühlen Kopf. Wer diese hat, und diesen behält, wird mit einem äußerst lässigen und coolen Album belohnt. Ohne Stirnband.

[Sascha Knapek]

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