Mathieu Boogaerts – I Love You



Mathieu Boogaerts zählt zu den Herzschrittmachern des französischen Indie-Pop. Seit mehr als zehn Jahren beliefert er uns mit frischen und desöfteren auch unkonventionellen Popperlen. Nach seinem bisher größten Erfolg mit dem Album „Michel“, tauscht der Franzose die Gitarre gegen Drumsticks ein und geht neue Wege.

Was Mathieu Boogaerts auf seinem neuesten Album „I Love You“ anstellt, bedarf einer gewissen Gewöhnungszeit. Der Begriff „Nouvelle Chanson“ darf hier wieder ruhig aus der verstaubten Kiste gekramt werden. Am ehesten erinnern einige der neuen Stücke wohl an ausgeartete Remixe seiner lockeren Hits „Vite“ und „Sens“, die sich auf dem Album „J´en Ai Marre d´etre Deux“ befanden.

Hier geht Boogaerts jedoch einen Schritt weiter. Er gibt sich experimentierfreudiger, bricht Pop-Konventionen und pfeift auf Genregrenzen. Meist benötigt Boogaerts nicht einmal drei Minuten um ganze Songwunderwelten auferstehen und wieder zusammenbrechen zu lassen. Die Drums sind stets prägender Teil der Arrangements, jedoch an keiner Stelle zu dominant. Während die zahlreichen Ideen und Spielereien beim ersten Durchgang nur so am Hörer vorbeirauschen, setzen sie sich nach und nach langsam in Highlights wie dem gemäßigten Opener „Come To Me“ oder „Allez“ durch. Funk, Jazz und Hip Hop sind hier ebenso präsent wie das alte Gefühl für den guten Song. An dieser Stelle winkt natürlich G.Love aus der Ferne.

Leider wirkt all dies hin und wieder zu überladen, woran die minimalistische Produktion auch nichts ändert. Zu viel des Guten, da verliert der Hörer schnell den Überblick und kommt sich vor wie in einer gigantischen Metropole. Wer etwas Geduld beweist, wird jedoch auch den chaotischsten Ecken dieser eigensinnigen Platte etwas schönes abgewinnen können.
[Sebastian Jegorow]

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