Clark – Totems Flare



Der Brite Chris Clark hat sich in den vergangen Jahren durch atemberaubende Live Sets und den Release der Alben „Boddy Riddle“ und „Turning Dragon“ zum Vorzeigekünstler des Warp Labels gemausert. Angesichts der Vorboten sind die Erwartungen an sein neuestes Album „Totems Flare“ gigantisch.

Das Intro der Platte klingt zunächst so, als wenn die knarzigen Keyboardlinien, die zu den prägenden Themen der Musik Clarks zählen, sich nur langsam und verkatert aus dem Bett schälen würden. Doch das ist natürlich nur eine Finte. Wenige Sekunden später werden wir nach bester Clark-Art von einem durchgedrehten Genie durch düstere Elektrolandschaften gejagd, ohne zu wissen was hinter der nächsten Ecke lauert. Dabei ist es nicht so, als wenn wir nicht vorbereitet wären. „Growls Garden“ (vor wenigen Monaten ebenfalls als EP erschienen) und auch sonst so manche Schikane wie „Luxman Fur“ hat Chris Clark bereits bei seinen Liveauftritten im vergangenen Sommer (sein Auftritt beim Festiwal Nova Muzyka an der ehemaligen Grenze zwischen Polen und Tschechien zählt dabei zu meinen großen Jahreshighlights ’08) mehr als einmal erprobt. Im Gesamtkonzept der Platte entdeckt man jedoch selbst beim unzähligsten Durchgang die Stücke neu und läßt sich immer wieder von anderen Ideen beglücken.

Clark dekonstruiert die Stücke dabei häufig und läßt sie gegen die Wand fahren, um sie kurze Zeit später wieder in neuer Form auferstehen zu lassen und ihnen in ihrem Afterlife ein völlig neues Gesicht zu verleihen. An sich hängt er also häufig den eigenen Remix seiner Songs mit dran. Als größte Glanztaten erweisen sich hier „Future Daniel“ und das fulminante „Rainbow Voodoo“ (bei diesem Amoklauf fällt wohl selbst Liam Howlett auf die Knie und der Clubber verschwitzt von der Tanzfläche).

„Totems Flare“ klingt nach einem musikalischen Amoklauf, bei dem Clark permanent neue Roboter mit neuen Wunderwaffen aufzieht und auf den Hörer losschickt. Am Ende ist es eine ganze Armee, die man wohl selbst in einigen Jahren noch entdecken muss. Zwischendurch baut er kleine Verschaufpausen und harmonische Inseln der Ruhe als Kontrapunkte ein, um die Beats direkt darauf ohne Übergang wieder völlig durchdrehen zu lassen. Am Ende finden wir mit „Absence“ eine kleine Remminiszenz an seinen Labelkollegen Squarepusher, den er hier nur noch aus dem Rückspiegel betrachtet.

Mit „Totems Flare“ hätten wir bereits im Juli einen unserer Höhepunkte des Jahres gefunden. Einer dieser seltenen Momente, an denen ein Künstler am Ziel ankommt und auf eine perfekte Platte zurückblicken kann.
[Sebastian Jegorow]

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