River Phoenix



Hollywood, das Monster, wie es Jack Nicholson einst treffend ausdrückte, müsse bekämpft, bezwungen und gewisse Regeln eingehalten werden, wer dies nicht tue, werde nur zu leicht davon gespült. Und ganz wohlgefühlt hat er sich dort nie: Die Nachricht vom Tode River Phoenix´ kam für viele nicht überraschend. Tod auf dem Sunset Boulevard. Überdosis. 23 Jahre alt. Wer wird schon gerne als der nächste James Dean gehandelt? Hollywood, was tust du deinen Kindern an?

River Jude Phoenix wurde am 20. August 1970 in Madras, Oregon, geboren. Seine Eltern, John und Arlyn, waren Kinder der Sixties, pflückten Äpfel, und reisten als Hippies auf Sinnsuche durch das Land. Mit ihren 5 Kindern – River, Rainbow, Leaf (der sich später in Joaquin umbenennen sollte), Liberty und Summer – lebte die Familie später in Südamerika, wurde Teil der Children of God – Sekte und verfolgte unter ärmsten Verhältnissen ihren Traum von einer besseren und gerechteren Welt. Den Kindern wurde von klein auf viel Freiheit geschenkt, alle wurde gleichbehandelt und hatten gleiches Stimmrecht, und als River mit 8 Jahren beim Angeln mit dem qualvollen Tod eines Fisches konfrontiert wurde, beschloss er, zusammen mit seiner Familie, fortan vegan zu leben.

Um die Familie auch im alltäglichen Leben zu unterstützen, begann River in jungen Jahren mit seiner Schwester Rain auf der Straße zu musizieren, oft auch nur für ein paar Pennies und Applaus. Nach dem Bruch mit der Children of God – Sekte siedelte die Familie nach Florida um und nannte sich fortan Phoenix (nach dem griech. Mythos). Bald darauf wurde River für die Werbung entdeckt und die Familie erhoffte sich, neben den finanziellen Vorteilen, auch eine Plattform, um ihre idealistische Weltanschauung und ihren Glauben an Vegetarismus, Umwelt und globale Themen zum Ausdruck zu bringen. Rivers starke Prinzipien gingen jedoch nicht konform mit der Welt der Werbung und seinen Produkten und so wandte er sich recht schnell dem Fernsehen („ 7 Brides for 7 Brothers“) zu. Auf diesem Wege wurde er früh zum Alleinernährer seiner Familie, eine enorme Verantwortung für einen 12jährigen, die ihn ein Leben lang prägen und begleiten sollte. 1985 wechselte er zum Kino mit seiner Rolle als Nerd in dem Fantasyfilm „Explorers“.

Doch es sollte sein zweiter Film, Rob Rainer`s „Stand By Me“, sein, der ihn neben hervorragenden Kritiken auch zum Teenstar machen sollte. Filmkritiker Roger Ebert bescheinigte dem jungen Phoenix großes Talent und eine Natürlichkeit auf der Leinwand, die man so selten sehe, vor allem bei jungen Schauspielern. Gerade diese Unaffektiertheit, diese Zurücknehmen, das leise Implodieren seiner Charaktere, machte ihn in den folgenden Jahren zu einem der besten und respekttiertesten Schauspieler seiner Generation. Er wählte seine Rollen stets mit größter Sorgfalt aus (oft in enger Zusammenarbeit mit seiner Mutter, die auch seine Managerin war), lehnte hochdotierte Filmangebote ab, wenn er nicht an die Figuren glaubte, und suchte schon früh nach anspruchsvollen und aussagekräftigen Rollen.

Die Rolle als Teenstar in Hollywood lag ihm indessen nie, er fühlte sich unwohl als Posterboy und Marionette der Medien und sorgte sich schon früh um seine Reputation als Charakterschauspieler und die eigene Unabhängigkeit. Die großen Themen wie Umwelt- und Tierschutz, Apartheit und Armut waren es, die ihm am Herzen lagen und die er in Interviews immer und immer wieder zur Sprache brachte. So wurde er promienter Anhänger der Tierschutzorganisation PETA (mit seiner späteren Funkrock – Band Aleka´s Attic war er u.a. auf dem PETA – Benefizalbum „Tame Yourself“ vertreten), als dies noch nicht populär war, schrieb Artikel über den Regenwald, das Ozonloch und Mülltrennung, und ernährte selbst seine eigenen Hunde vegan.

In den folgenden Jahren glänzte er neben Harrison Ford und Helen Mirren in dem Film „The Mosquito Coast“ (1986), ein Film der starke Parallelen zu Rivers eigener Geschichte und Leben aufzeigte. In dem Film zieht es Rivers Charakter mit seinen desillusionierten Eltern nach Lateinamerika, um fortan im Dschungel zu leben und Amerika hinter sich zu lassen. River und seine Familie im wahren Leben kehrten in den späten achtziger Jahren Hollywood den Rücken, um sich in der kleinen Studentenstadt Gainsville, Florida, auf einer großen Ranch niederzulassen. Fernab von Hollywood widmete sich der junge River seiner größten Leidenschaft, der Musik. Er nahm mit seiner Schwester Rain und Freunden über die Jahre Demos seiner eigenen Musik auf (die schnell die Aufmerksamkeit von Island Records fand), tourte die U.S. und kaufte Hunderte von Hektar Regenwald in Costa Rica.

1989, mit gerade einmal 18 Jahren, wurde River für seine Rolle in Sidney Lumet´s „Running On Empty“ für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, eine Performance, die viele für seine stärkste halten. Er spielte erneut neben Harrison Ford in „Indiana Jones and the Last Crusade (1989) und neben Kevin Kline in “I Love You to Death” (1990).

Mit seinem Freund Keeanu Reeves glänzte er als schwuler Straßenstricher in Gus van Sant´s „My Own Private Idaho“, der ihm u.a. den Preis als bester Darsteller beim Venice Filmfestival einbrachte. In seine Rolle – er entschied sich für die oft emotional erschöpfende Methode des Method Acting -, investierte River viel, manche sagen, zu viel. Schon während des Filmdrehs gab es anhaltende Gerüchte um wilde Partynächte und Drogen, was so gar nicht zu seinem Image passen sollte. Nach dem Dreh schien er mental und physisch am Ende. Roger Ebert erinnert sich traurig an ein Treffen mit Phoenix, wo der einst so energetische Schauspieler nur noch ein Schatten seiner selbst war. Und obwohl Hollywood nie Rivers Ort war, verband ihn mit der Traumfabrik in seinen letzten Jahren doch eine gefährliche Liebes/ Hass – Beziehung, und mit seinen Freunden (u.a. Flea von den Chili Peppers, Cory Feldman, Johnny Depp),dem „Young Brat Pack“, ging es immer häufiger durch die langen Nächte Tinseltown´s. Ende ´91 schien er angekommen in Hollywood…

An Halloween, am 31.10.1993, stirbt River Phoenix auf dem Bürgersteig vor dem Nachtklub „The Viper Room“ an einer Überdosis Kokain, Heroin und Speed. Sein letzter Film „Dark Blood“ wurde nie fertiggestellt.

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