Wilco – Wilco (The Album)



Ausnahmensweise mal eine Wilco-Rezension, in der wir keine neuen Bandmitglieder vorstellen müßen. Bei Wilco ist alles beim Alten. Und mit „Alt“ ist in diesem Fall ein musikalischer Streifzug durch die gesamte Geschichte dieser fulminanten Band gemeint.

„Wilco (The Album)“ ist wie eine Best Of Platte der Band mit Songs, die wir trotz der unzähligen Durchgänge der Wilco-Diskographie völlig übersehen haben. Ein Retrospektive Wanderung durch die gesamte Metamorphose, die diese Band im Laufe der Zeit durchlief. Dementsprechend Facettenreich wirkt das Album. Während der Opener „Wilco (The Song)“ und „You Never Know“ den frühen Simplizismus von „A.M.“ feiern und „One Wing“ an das ewige Überalbum „Summerteeth“ erinnert, gehört „Bull Black Nova“ zu diesen komplexen architektonischen Krautrock-Bauten aus „A Ghost Is Born“, die nach einigen Durchgängen ihre volle Spielfreude offenbaren.

Zu den Höhepunkten der Platte gehört „Me And You“, Jeff Tweedys kleines Duett mit Leslie Feist. Hier greift Tweedy in die Summerteeth-Trickkiste und zaubert eine kleine Akustik-Nummer hervor, die den Hörer mit ihrem Popcharme bezirzt. Überhaupt greifen Wilco auf ihrem neuen Longplayer überwiegend zu schlichten Mitteln und gewinnen den Hörer mit catchy Songs. Der kürzlich verstorbene Jay Bennett hätte wohl viel Freude an der Platte gehabt und mit „One Wing“ ein zweites „Pieholden Suite“ entdeckt. Die plakative Zeile „Wilco Will Love You Baby“, der Albumtitel und Alfred – das Kamel auf dem Cover – sind gute Beispiele dieser Lockerheit und Eingängigkeit, die Wilco hier zelebrieren. Einzig der Abschlußsong „Everlasting“ bringt mit seiner sonderbaren Dramaturgie nicht als Fragezeichen, die erst beim herrlichen Abschluß in Glückseligkeit aufgelöst werden.
[Sebastian Jegorow]

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