Regina Spektor – Far



Mit ihrem Album „Begin To Hope“ gelang Regina Spektor vor drei Jahren der Durchbruch. Plötzlich fand der unkonventionelle Pop der gebürtigen Russin in ihrer US-Wahlheimat und auch Europa gehör. Seitdem teilt sich Regina Spektor gemeinsam mit Tori Amos und Fiona Apple den Songwriterinnen-Thron und festigt diesen Platz nun mit ihrer neuen Platte.

Neben zarter Melancholie widmet sich Regina Spektor auf „Far“ ebenfalls unbeschwerter und reueloser Popgenüsse, ohne dabei jedoch ihre Wurzeln als ausgebildete Konzertpianistin zu vernachlässigen. Von den experimentellen Spielereien, die „Begin To Hope“ prägten, ist nicht mehr viel zu hören. Der rohe Song bekommt häufig Streicher oder eine Rythmusbegleitung als Unterstützung. Das muss dann jedoch auch genügen. Tut es auch.

Im Anschluß an den eingängigen Uptempo-Opener folgt „Eet“, der erste große Aufhorchmoment der Platte. Die Sängerin singt die Zeile „It´s like forgetting the words to your favorite song“ und hat den Hörer hier bereits auf ihrer Seite. Das darauf folgende „Blue Lips“ hält die Aufmerksamkeit. Diese kleine Liebeserklärung an unseren Planeten erinnert von der Gesangslinie her ein wenig an Amy Macdonalds Radiohit „This Is The Life“, hat jedoch als Bonus eine virtuose Pianolinie zu bieten. Hin und wieder läßt sich Spektor auf „Far“ dann doch zu kleinen Spielereien verleiten. So imitiert sie in „Eet“ mit ihrer Stimme eine HiHat oder verwandelt sich in „Folding Chair“ in einen Delphin. Die Amosesquen Momente der Platte sind glücklicherweise selten. Einzig im anstrengenden Tiefpunkt „Machine“ erinnert die Songwriterin stark an Tori Amos affektierte Art. Einen Song später fängt sie sich jedoch wieder und zaubert mit „Laughing With“ den Höhepunkt dieser Platte. Eine subtile Nummer über das Verhältniss der Menschen zu Gott, die einen luftleeren Raum zwischen Existenzialismus und der Liebe zu Gott aufreisst. So wechseln sich die eingängigen Uptempo-Nummern mit ruhigen Song ab. Mit dem wundervollen „Man Of A Thousand Faces“ drückt Regina Spektor dem Hörer noch einen Gute-Nacht-Kuss auf seinen Solar-Plexus und läßt die Platte leise ausklingen.

„Far“ hinterläßt einen homogenen und sehr reifen Eindruck fernab des ungestümen „Sovjet Kitsch“ oder des etwas irritierenden „Begin To Hope“. Nachdem Tori Amos mit ihren letzten beiden Platten stolperte, Liz Phair und Aime Mann seit längerer Zeit die Form früher Tage vermissen lassen, Björk eben Björk ist und Fiona Apple auch weiterhin schweigt, kann sich Regina Spektor mit dieser guten Platte in aller Ruhe an die Spitze schleichen. Verdient hat sie es.
[Sebastian Jegorow]


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.