Jeffrey Lewis & The Junkyard – Em Are I


Jeff Lewis. Ewiger Slacker, intellektuelle Antifolk-Ikone, begnadeter Comiczeichner und nicht zuletzt einer der talentiertesten Songwriter der letzten 20 Jahre. Mit seiner neuesten Platte gelingt dem New Yorker ein weiteres Meisterstück.

Der Lofi-Sound klingt diesmal gar nicht mehr so Lo-Fi und die Songs werden im Vergleich zum Vorgänger “City & Eastern Songs” und der Crass-Coverplatte um einige Spielereien ergänzt, so dass hier tatsächlich von Arrangements gesprochen werden kann. Den Charme der frühen Lofi-Aufnahmen verliert er dadurch nicht. Und selbst wenn er es täte, hätte diese Platte noch immer diese verflucht guten Songs auf ihrer Seite.

Zum Beispiel wäre da “Roll Bus Roll”, in dem er textlich zwischen Slackertum und Eskapismus schwankt und musikalisch mit viel Feingefühl die perfekte Folk-Hymne hinzaubert. Ähnliches gilt für “If Life Exists”, das Lewis bereits seit längerer Zeit immer wieder live präsentierte. Im Vergleich zu seinen ersten Alben wie den frühen “It’s the Ones Who’ve Cracked That the Light Shines” und “The Last Time I Did Acid I Went Insane” gibt sich Lewis hier jedoch deutlich reifer. Geblieben ist der Hang zur Alltagsphilosophie und kleinen Weisheiten. Die Gefahren einer plumpen Melancholie umschifft er dabei vorzüglich, wodurch es ihm gelingt einige wunderschöne Momente der Wahrheit zu zaubern. Im naturverliebten “Bugs & Flowers” gibt es mal wieder einige dieser Textstellen, die alles auf den Punkt bringen, wofür Schriftsteller tausende von Seiten benötigen.

Von einem Rückgang der rotzigen Songs, die gerade zu den stärken der Crass-Coverplatte gehörten, kann trotz des Folk-Schwerpunkts nicht die Rede sein. In dieser Kategorie kann “Em Are I” Songs wie “Slogans”, “Broken Broken Broken Heart” oder “Good Old Pig, Gone To Avalon” vorweisen, die einem Gastauftritte von J. Mascis (!), Emily Lacy und Herman Dune um die Ohren hauen. Selbst Jeffs Bruder Jack darf hier mit “The Upside-Down Cross” einen grandiosen Song beitragen, der vor Retro- und Psychedelic-Elementen nur so strotz und damit zu den großen Highlights dieser Platte zählt. Herrlich.
[Sebastian Jegorow]

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