Dave Matthews Band – Big Whiskey And The Groogrux King 1



Hier ist es also. Das erste Dave Matthews Band Album nach dem Tod von Leroi Moore, den man auch als ein einziges großes Herz mit Dreadlocks beschreiben könnte, das immer still und wortlos Saxophon spielte. Diese Platte wurde passend nach „Grux“ benannt und mit einem schönen (von Dave Matthews selbst gezeichneten) Artwork versehen, auf dem der Saxophonist zu sehen ist.

Leider hat sich die legendäre US-Band mit dem schrecklich uninspirierten Vorgänger „Stand Up“ mächtig den Kopf angestoßen und auch Dave Matthews Soloalbum war eine eher unspannende Angelegenheit. Etwas Trost gab es mit unzähligen Livealben und einem Tourprogramm, bei dem die Dave Matthews Band sicherlich mehr Frequent Flyer Punkte sammeln konnte als der Papst. Für Dave Matthews und Tim Reynold stand sogar das bis dato vernachlässigte (mal die Festivalauftritte vor 20-30 Bierleichen und das unvergessene Loreley-Konzert ausgenommen) Deutschland auf dem Programm. Knapp 20 Jahre nach der Gründung ist die Band so groß wie noch nie. Ausverkaufte Stadien, und eine riesige Fangemeinde, die sich Dave Matthews mit seiner Band wie der Rattenfänger vom Hameln unterwegs aufgesammelt hat.

Man fragt sich immer wieder warum sich Dave Matthews das Leben immer so schwer machen muss. Ähnlich wie 2001, als die Band die grandiosen Lillywhite Sessions (man denke nur an „Monkey Man“ oder die frühe Version von „Bartender“) über Bord warf und innerhalb kürzester Zeit mit „Everyday“ ein abgemühtes Plastik-Album mit 12 drögen Songs hinrotzte, blieben auch im Vorfeld zu „Big Whiskey“ unzählige Nummern, die seit Jahren auf eine ordentliche Studioversion warten oder in Archiven verstauben, auf der Strecke.

Im Falle von „Big Whiskey“ haben wir es jedoch glücklicherweise mit ordentlichem Songmaterial zu tun. Die Platte läßt den Glanz und die verspielte Art früherer Tage immer wieder durchschimmern und bringt uns einige sehr gute Nummern. Da wäre „Funny The Way It Is“, das nach dem ambivalenten Eindruck von „Shake Me Like A Monkey“ einem wie früher die Glückgefühle um die Ohren haut. Dies ist wohl auch eine der wenigen starken Studioaufnahmen der Band seit „You Never Know“ und auf „Big Whiskey“ auch nicht die letzte. „Why I Am“ besitzt Biss und macht verdammt viel Spaß. Eine Ausnahme der goldenen Regel, bei der die Band immer dann Baden geht, wenn Tim Reynolds mit seiner E-Gitarren zu sehr in den Vordergrund rückt und die Songs damit völlig versalzt. Insbesondere Carter Beauford sorgt mit seinem einzigartigen Schlagzeugspiel für wohlige Wiedererkennungsmomente. Auch „Dive In“ und das softe „Lying In The Hands Of God“ wären einige dieser Songs, mit denen man sich nach einigen Durchgängen mehr als anfreunden kann.

Vorab pries Dave Matthews „Big Whiskey And The Groogrux King“ als das beste Album der Band an. Wir kommentieren dieses Urteil mit einem Kopfschütteln. Schließlich sind die meist recht kurzen Songs doch recht weit von den Nummern der beiden Jahrhundertplatten „Under The Table And Dreaming“ und „Before These Crowded Streets“ entfernt. Zu selten läßt die Band die Jazz-Einflüsse raus und zu oft kommt Tim Reynolds Gitarrenspiel zum Einsatz, das den entspannten Nummern einen agressiven Touch verleiht und sie zudem in ungemütlichen Stadion-Rock ausarten läßt. Von einer zweiten „Everyday“-Gurke kann hier jedoch keinesfalls die Rede Sein. Nach anfänglicher Skepsis entpuppt sich „Big Whiskey“ als ein gutes Album einer sehr guten Band.
[Sebastian Jegorow]


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