Grizzly Bear – Veckatimest


Auf ihrem neuesten Album widmen sich Grizzly Bear wieder reuelosen Popgenüssen und sind damit wirksamer als jede Droge. Die Gesangsfächen breiten sich aus wie Wellen und kämpfen um die Vorherrschaft, während die Instrumente zielbewusst Spannungsbögen vorzeichnen. Kein Zweifel, so haben wir uns das neue Grizzly Bear vorgestellt.

Und das nicht nur, weil wir voller Euphorie in den frühesten Morgenstunden den Stream der Letterman-Sendung mitverfolgt haben, in der die Band den ersten Vorboten “Two Weeks” präsentiert hat. Die Intimität der kleinen gelben Hütte weicht hier eher großen Prunkschlössern am Himmel. Von dem perfekt durchdachten Chaos hat das Schaffen von Grizzly Bear jedoch nichts eingebüßt. Dabei ist die Sache manchmal so simpel. Das verzerrte Keyboard in “Two Weeks”, das einen an die wundervollsten Festivalmomente denken läßt und Vorfreude auf die Grizzly Bear Liveauftritte in diesem Sommer
weckt. Mit einem kühlen Bier in der Hand, verdammt guten Menschen um sich und einem kaum merkbaren Freudenhüpfer den Song begrüßen. So einfach kann Glück sein.

Doch halt, spätestens beim dritten Track merkt man, dass die Sache doch nicht ganz so simpel ist.
Schließlich klingen einige Songs zunächst sperrig und die Chöre können in einigen Momenten überfordern. Das disharmonische “I Live With You” ist ein stampfender Horrortrack voller Dramatik, der kurze Zeit später in dem versöhlichen”Foreground” mündet. Zuvor wechselt “Fine For Now” mindestens sechs mal die Garderobe. Von Klerik über Folk und Rock hin zur völligen Zerstörung. Gigantisch. Das muss man aber auch erst einmal merken.

In den kommenden Wochen werden sich mir noch desöfteren beim Hören dieser Platte düstere Fragezeichen wie Kummerwolken über dem Kopf auftun, die sich dann kurze Zeit später in bunte Ausrufezeichen aufösen.
[Sebastian Jegorow]

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