Eels – Hombre Lobo, 12 Songs Of Desire


Der Kopf der Eels, Mark Oliver Everett (aka E), benutzt seine Songs auf dem neuen Album (“Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire“) seiner Band wieder einmal als Ventil. Unter dem dicken Bart rumort es und E tritt an uns ein neues Konzeptalbum vorzustellen. Es behandelt nicht seine autobiografischen Rückschläge und die diversen Tragödien, von denen der 36-jährige in seinem Leben einige zu bewältigen hatte. Nein, es geht um Begierde. Die Begierde des ‘Dog Faced Boy‘, den E auf “Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire“ zum unter uns wandernden Werwolf (auf spanisch “Hombre Lobo“) mutieren lässt.

Songs wie “Fresh Blood“ oder “Tremendous Dynamite“ eröffnen einem das Werwolf-Motiv allein schon mithilfe des verzerrten Gesangs und E‘s Wolfsgeheul. Die Platte macht allerdings nicht den Fehler nur aufs Animalische einzugehen. Der Begierde auslösende menschliche Aspekt im Tier im Manne kommt wahrlich nicht zu kurz. Als Protagonist am Rande der Gesellschaft zu stehen bewahrt nicht vor allzu weit verbreiteten Sehnsüchten. Eine einsame Verletzlichkeit ist selten exakter zu greifen als im Verlauf dieser zwölf Songs der Eels. Everetts Sprache ist direkt und entlarvend, die Musik diesmal auch.

Mark Oliver Everetts Griff in die Trickkiste resultiert auf “Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire“ nicht selten in Garagen-Blues, der dem durch die Texte gemalten Bild einen überaus passenden Unterbau liefert. Ruhige Nummern spart man nicht aus, aber den nächsten SHREK-Klassiker sucht man, wie auch unnötiges Elektronikgefrickel, hier (hoffentlich, “All The Beautiful Things“ könnte ein Kandidat werden) vergeblich. Der Pop-Appeal von Stücken wie “My Timing Is Off“ macht die Platte zum standesgemäßen Eels-Werk. Großartiges Songwriting, klein-große Melodien und jede Menge tiefe Charaktereinblicke.

Der etwas andere (neue) Zungenschlag in den Songs von Mr. Everett tut den Eels gut. Äußerst gut. Schlängelnd bewegt sich das kleine Kollektiv voran und ließ in der Vergangenheit durchaus auch die ein oder andere matschige Pfütze nicht aus. Die Überreste dieser Eels-Momente möchte man schnell wieder vom Körper und aus dem Gehörgang bekommen und sich mit dem verflixt guten Teil des Outputs der US-Amerikaner beschäftigen. “Hombre Lobo – 12 Songs Of Desire“ gehört ohne Zweifel zu diesem verflixt guten Teil des Eels-Katalogs. Mark Oliver Everett steckt das verkopfte Lamentieren und die obskuren Kleinode in seine Hosentasche und gibt uns bauchigen Rock’n’Roll an die Hand – „Die Schöne und das Biest“, Eels-Style. Die Leidenschaft regiert (vorerst)!
[Sascha Knapek]

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