Archive – Controlling Crowds


Archive als die Nachfolger Pink Floyds zu bezeichnen, ist angesichts der bisherigen Glanzleistungen der Band nicht zu weit hergeholt. Bei den sperrigen Songs der Band handelt es sich häufig um architektonische Bauten, die den Hörer als Kunstwerke anfangs erschlagen, und sich nach und nach immer mehr in treibende Popsongs verwandeln. Mit ihrem fünften Album „Controlling Crowds“ präsentiert uns die Band einen musikalischen Essay zum Thema Massenphänomene und Kontrolle der Massen in modernen Gesellschaften.

Archive sind diese Band, die stets mit dem ersten Track ihrer Alben neue Maßstäbe setzte und es schaffte den Hörer perfekt in die Archive-Welt wieder einzuführen. Man denke hierbei nur an das epische „Again“ („You Look All The Same To Me) oder den unwiderstehlichen Pop-Charme von „Sane“ („Twighlight“). Retrospektiv wird auch der Opener „Controlling Crowds“ in diese Aufzählung aufgenommen werden. Minimalismus, der fast schon an Steve Reich erinnert, sägt sich langsam in die Gehörgänge, während im Vordergrund eine Keyboardlinie tanzt. Diese 1,5 Minuten, die den Autakt des Titeltracks markieren, sind schon ein sonderbares Unterfangen und der Beginn eines 11 Minuten langen Reise voller Beklemmung und Bedrohung. Die Vocals sind auf „Controlling Crowds“ meist eher ein Instrument, das ebenso gekonnt eingesetzt wird, wie all die Gitarren, Drums und elektronischen Spielereien.

Die Songs sind dabei stets anspruchsvoll und wirken zunächst tonnenschwer. Wer auf der Suche nach seichter Sommermusik ist, wird „Controlling Crowds“ wohl hassen und der Platte die nötigen weiteren Durchgänge verweigern. Um ihr Ziel zu erreichen, nutzen Archive alle Mittel, die einer Band anno 2009 nur nutzen kann. Bestes Beispiel hierfür ist das Highlight „Dark Room“. Eine Nummer, die sphärische Klangteppiche ausbreitet, auf denen dann Sprechgesang und Beats Platz nehmen. Dass eine solche Beschreibung stets nur die halbe Wahrheit ist und den Hörer dabei immer wieder mit Überraschungen rechnen muss, steht bei Archive außer Frage.

Mit „Controlling Crowds“ ist Archive einmal mehr ein wahrer Geniestreich fernab des akustischen Fastfoods gelungen. Ein faszinierendes Kunstwerk, das an den frühen Höhepunkt „You Look All The Same To Me“ ansetzt – hierbei jedoch die Melancholie durch Beklemmung ersetzt – und sich dem Hörer erst nach mehreren Durchgängen offenbart.

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