Depeche Mode – Sounds Of The Universe



Wen haben Depeche Mode seit ihrer Gründung nicht alles beeinflusst! Von den Killers und MGMT, über Coldplay und die Pet Shop Boys, bis hin zu Marilyn Manson, geben viele erfolgreiche Genrezwitter der letzten 20 Jahre die englischen New Wave-Ikonen als wichtige Fußnote des eigenen Sounds an. Seit 1980 ist die alternative Synthpop-Combo in unregelmäßigen Abständen reif für einen gemeinsamen Ausflug ins Studio und kreative Großtaten, die schnell auch in kreativen Handgreiflichkeiten münden können. Vier Jahre nach “Playing The Angel“ wurde es nun Zeit für neues Material aus dem Hause Depeche Mode.

Insgesamt 20 Songs soll das Trio für “Sounds Of The Universe“ aufgenommen haben. Ein Zeichen für die gesunde Zusammenarbeit der oftmals problembeladenen Gahan/Gore-Konstante. Was allerdings letztendlich noch mehr heraussticht, als das – trotzdem noch überwiegend von Martin L. Gore durchgeführte – Songwriting, ist der hier verewigte Sound. Die 13 Stücke, die es am Ende auf das Album geschafft haben, wurden allesamt mit alten Instrumenten (z. B. Alanog-Synthesizer und Drum-Maschinen) eingespielt und erinnern alleine klanglich schon an Depeche Mode-Großtaten der 80er und 90er. Warum in die elektronische Ferne schweifen, wenn alle nötigen Zutaten schon seit fast 30 Jahren in den Händen von Depeche Mode weilen.

Die erneut von Ben Hillier produzierten Tracks beackern thematisch bekanntes Depeche Mode-Terrain. Sehnsucht, Sünde, Lust, Spiritualität, Sadomasochismus – Gore und Gahan bleiben bei ihren Leisten. Musikalisch ist vom selbst ernannten Rap-Gefühl und der entfernten R&B-Nähe, bis zum dreckigen Rocker alles dabei, was den langjährigen Fan des englischen Trios zufrieden schmunzeln lässt. Traditionell war Anton Corbijn für das Cover und die Bandfotos zuständig, ein rundum stimmig geschnürtes Paket dieses “Sounds Of The Universe“.

Der instrumentelle Retropfad macht sich für Depeche Mode auf ihrem zwölften Studioalbum durchaus bezahlt. Die ein oder andere schwächere Nummer verzeiht man Gahan, Gore und Fletcher gerne, schließlich ist auf “Sounds Of The Universe“ genügend nachhaltiges Material zu finden – was man nicht von jedem Depeche Mode-Album der letzten 15 Jahre sagen kann. Ein “Violator“ (1990) für das 21. Jahrhundert, wie es der Pressetext vollmündig verspricht, ist “Sounds Of The Universe“ zwar nicht geworden, aber der qualitative Nachfolger von “Songs Of Faith And Devotion“ (1993) zu sein, ist ja auch nicht schlecht.
[Sascha Knapek]

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