Bill Callahan – Sometimes I Wish We Were An Eagle



Hier ist er also, der Soundtrack zum Ende des Märchens zwischen Bill Callahan und Joanna Newsom. Statt depressiver Songs oder Schlagzeilen, gibt es von Callahan wie erwartet eine Platte, auf der er die letzten Jahre auf seine eigene Art resümiert.

Mit Weltschmerz und Gejammer hat dies bei Callahan natürlich nichts zu tun. Kein zweites „Sea Change“ erwartet uns hier. Wie einer, der in seinem Leben bereits desöfteren das kommen und gehen der Gezeiten beobachten durfte, resümiert Callahan im Opener „Jim Cain“, einem klassischen Smog Song, schlicht und pragmatisch: „I used to be darker, then I got lighter, then I got dark again“. Ein Satz, der ebenso gut Teil einer Raymond Carver Geschichte sein könnte.

Alles beim Alten und zurück zum minimalistischen Folk der frühen Jahre also? Nun ja, nicht ganz. Der breite Sound des Vorgängers und die auf „Woke On A Whaleheart“ entdeckte Präferenz die Sprachrhythmik durch prägnante Schlagzeugbegleitung zu unterstreichen, sind neben einiger Weisheiten von der ungewöhnlichen Callahan-Platte geblieben, auf der sich der Songwriter zu Songs wie „Diamond Dancer“ oder „A Man Needs A Woman To Be A Man“ verleiten ließ.

„Rococo Zyphyr“ ist ein Song, der in einer etwas karger arrangierten Aufnahme ebenso auf einem der frühen Smog Alben platz finden könnte. Beim entspannten „Too Many Birds“ klingt da schon eher nach „Woke Up On A Whaleheart“. „A River Ain´t Too Much To Love“ Material gibt es widerum mit dem Höhepunkt „My Friend“. Während unser Herz hier im Takt der vodergründigen Drums mitzählt, verkündet Callahan „I will always love you“, um dem Nachklang seiner Stimme inbrünstig ein „My Friend“ nachzuwerfen.

Es fällt schwer zusammenzufassen wie das Album nun im Œuvre des Künstlers einzuordnen ist. Sein bestes ist es nicht. Dazu mischen sich unter die Glanzstücke doch hier und da einige Schwachstellen wie der anstrengende Horror-Score „All Thoughts Are Pray To Some Beast, der eher an eine Nick Cave Komposition erinnert, oder das nihilistische Mantra „Faith/Void“, das dem Album fast schon etwas Konzepthaftes verleiht. „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ ist die Rückkehr eines Reisenden, eine Zwischenbilanz und ein ‚How did I get here?‘ zugleich.
[Sebastian Jegorow]

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