Vetiver – Tight Knit


Wenn der Musikgott gerecht wäre, dann hätte Andy Cabic mit seinem Projekt Vetiver längst das große Geld gemacht. Seit Jahren liefert er ausgereifte Glanzstücke ab, ohne damit vollständig aus dem Schatten treten zu können.

Und verdient hätte er es auch diesmal, denn die Songs des neuen Longplayers der Band aus San Francisco könnten kaum gelungener sein. Immer wieder zeichnen die Musiker Popperlen voller Schnörkel und geben sich auf „Tight Knit“ lässiger denn je. Geradezu leichtfüßig und gehen sie hier teilweise zur Sache und schlendern zwischen luziden Happy-Go-Lucky-Momenten („Everyday“, „More Of This“) und verträumter Melancholie („Through The Front Door“, „Down From Above“).

Eine Referenz zum Halbmitglied der Band und Freund Devendra Banhart würde den Leser hier wohl auf falsche Fährten führen. Cabic geht auf „Tight Knit“ unprätentiös seinen eigenen Weg und erinnert damit eher an die schlichte Brillanz eines George Harrison oder James Yorkston, als an die Ergebnisse der Freakfolk-Szene. Der angedeutete Kontrast aus entspannter Melodien und der leichten Melancholie positioniert die Platte auf die grünen Wiesen unter dem himmelblauen Himmel unter dem Jeff Tweedy zuletzt voller Wehmut tänzelte, wobei die neuen Vetiver-Songs deutlich seltener exzessiv ausarten und eher die Brillanz des rohen Songs in den Fokus rücken.

Was der Platte zur vollständigen Perfektion fehlt ist der große Knockout des Hörers. Ein Song wie der Opener des 2007er Albums „To Find Me Gone“ oder das Duett mit Hope Sandoval. Doch wen juckt schon das fehlen des großen Erhabenen, wenn man inmitten solch herrlicher Songs flanieren darf. Eine runde Sache ist das, ja.
[Sebastian Jegorow]

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