Soap & Skin – Lovetune For Vacuum



Als wir Anja Plaschg und ihre Musik vor ziemlich genau einem Jahr an dieser Stelle zum ersten mal vorgestellt haben, war das moderne Strohfeuer der Blog-Propaganda bereits losgelöst. Nun präsentiert die Künstlerin ihr Debüt und versucht den gigantischen Erwartungen gerecht zu werden.

Geglückt ist ihr dies mit Sicherheit. Schließlich ist „Lovetune For Vacuum“ eine konsequente Fortführung der beeindruckenden Myspace-Songs und ihrer 4Track-EP des Vorjahres. Neben der altbekannten „Mr. Gaunt Pt. 1000“, „Marche Funèbre“ und „Spiracles“ begegnen wir hier zehn weiteren Kompositionen, die allesamt von der Dramaturgie dieser Platte und der wunderschönen Mischung aus Piano und Vocals leben. Ergänzt wird dies durch sanfte Streicher, ein Cello oder Samples. Ähnlich wie bei Thom Yorke ist Anja Plaschgs Stimme häufig ihr persönliches Instrument. Geschichten werden hier durch Stimmungs- und Klangbilder erzählt. Dabei greift die Künstlerin hin und wieder auch auf Disharmonien und Schockmomente zurück, die den Songs mehr Spannung verleihen.

Was an dem Phänomen Soap & Skin neben der bewegenden Musik beeindruckt, das ist das breite Spektrum an Menschen, das die Österreicherin anspricht. Hier einige mögliche Zielgruppen:
a.) Der Rollenspieler, der stimmungsvolle Musik hört, während er mit einem Adler auf der Schulter Schlösser durchstöbert
c.) Der Intellektuelle Yuppie, der gerne mit seinem Civic durch lange Landstraßen fährt und dabei anspruchsvolle – zugleich jedoch grazile – Musik hört.
d.) Der Radiohead, der auf ein neues Lebenszeichen Thom Yorkes wartet
e.) Der Werbestratege, der beim Hören von „Mr. Gaunt Pt. 1000“ den kommenden Versicherungswerbespot vor Augen hat
f.) Der Klassik-Hörer oder Musikdozent, der beim Hören so mancher Klavierpassagen vor Erfurcht bebt

Die Liste könnte noch so weitergeführt werden, bis wir am Ende bei der Symbiose der vor einigen Jahrzehnten in unzählige Subkulturen verstreuten Menschheit wären. Eine Symbiose, die selbst Crowdpleaser wie Mario Barth oder andere Dumpfbacken in den Schatten stellt. Das dies hier in einem kleinen Rahmen und geflüstert daherkommt, macht Soap & Skin noch wertvoller.

„Lovetune For Vacuum“ ist wie Kleists Fassung des Penthesilea-Stoffes. Dramatisch, berauschend, teilweise blutig und doch so gefühlvoll und still.
[Sebastian Jegorow]


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