Michel Houellebecq – Lanzarote


Vom Hedonismus gepackt, beschließt ein lebensmüder Loner dem Treiben um das bevorstehende Millennium zu entfliehen und fliegt kurzerhand über die Silvestertage nach Lanzarote. Wohin sonst, wenn man allen und allem entfliehen möchte?

Lanzarote mit seiner apokalyptischen Szenerie und müden Vegetation scheint dem Ich-Erzähler zu geben, was er zu suchen scheint: Das große Nichts. Gelangweilt nimmt er an trostlosen Hotelausflügen teil, weigert sich vehement zu fotografieren und verbringt einen Großteil seiner Zeit mit MTV gucken und Schlafen auf seinem Zimmer. Doch zieht es ihn auch insgeheim immer wieder zu oberflächlichen Kontakten und Bekanntschaften mit anderen Touristen, so findet er schließlich Kontakt zu einem desillusionierten Polizisten aus Brüssel und zwei extrovertierten Lesben aus Deutschland…

Michel Houellebecq hat mit „Lanzarote“ den vielleicht ungewöhnlichsten Reiseführer (in der englischen Ausgabe finden sich passenderweise zahlreiche Fotoabbildungen der Insel) und gleichzeitig Anti-Reiseführer überhaupt verfasst. Ein modernes Pamphlet unserer Zeit: schneller Sex, fundamentalistische Religionen, Sekten, Gewalt, Pädophile, kurz: der Untergang unserer Zivilisation
wird hier beschrieben.

Houellebecq schießt auf alles und tut es gern, das weiß man. Der Mann weiß zu polarisieren. Und obwohl die Klischees, die Houellebecq hier auf den knapp 90 Seiten mit Witz gekonnt zu bedienen weiß, oft auch etwas zu plakativ daher kommen mögen, man muss sich doch auch immer wieder und leider eingestehen, so abgelatscht sie auch sind, sie bleiben doch eins: real.

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