Bergen – Das Gegenteil von Stadt



Das Kumpels & Friends Kollektiv over and over again. Nach The Poem Is You und Garda, veröffentlicht das junge Label aus Dresden nun mit dem Debüt der Band bergen das dritte interessante Album in Folge.

Alles eine Familie, dieses Motto gilt auch diesmal. So überschneiden sich die Line Ups der Bands. Hinzu kommt noch die Brüderschaft mit dem Schinderwies-Ziehkind The Gentle Lurch. “Das Gegenteil von Stadt” ist ein ruhiger Ort, an dem von Storchen gesungen wird und sich die Menschen mit aller Sanftheit in´s ohr pusten. Aller Mesanthropie, zu der man heutzutage neigt, zu trotz gibt es hier den Glauben an das Gute, der über all den bezaubernden Liedern hängt.

Die Texte, die hier im Gegensatz zu The Poem Is You und Garda deutschsprachig sind, wirken verschroben und faszinierend. Soviel Frische und Mut ist möglich, wenn man sich so fernab der Stadt plaziert und nicht ständig über Berlin, Hamburg oder die Distanz dazwischen singen muss. Es gibt jede Menge sonderbarer Zeilen zu entdecken, die bei den ersten Durchgängen an einem nur so vorbeihuschen. Ihr Zauber entwickelt sich hier nicht unbedingt über Geschichten, sondern eher über die Spannungen und Gefechte kleiner Phrasen und Wortspiele. Wie gut dies funktioniert ist neu und faszinierend. Zum Abschluß gibt es mit Jagger einen endlos scheinenden Höhepunkt mit vielen Schnörkeln und Instrumentalpassagen. So endet eine der schönsten deutschsprachigen Platten seit Gisberts Debüt und dem letzten Staring Girl Album mit Trompeten, die einem die Angst vor dem traurigen traurigen Tag nehmen, an dem Sven Regener sein Instrument und den poetischen Zauber irgendwann an den Nagel hängt.
[Sebastian Jegorow]


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0 Gedanken zu “Bergen – Das Gegenteil von Stadt

  • PeMo

    Es klingt wie „Element Of Crime“ und jetzt wird auch noch Sven Regener im Abschluss der Rezension erwähnt.
    Neuer Wein in alten (Sound-)Schläuchen oder recycleter Essig?

  • E-Bow Beitragsautor

    Wirklich ein fantastisches Album. Der Rückgriff auf Element Of Crime ist hierbei zwar passend, jedoch nicht unbedingt nötig.