Allan C. Weisbecker



Den Namen Allan Weisbecker habt ihr noch nie gehört? Keine Angst, das geht vielen so.
Den amerikanischen Schriftsteller, Fotograf, Journalist und Drehbuchautor, der in diesem Januar 61 Jahre alt wurde, kennen trotzdem etliche ohne es zu wissen – nämlich aus dem Abspann der US-Serie Miami Vice, für die er als Autor an der ersten Staffel mitwirkte. Prädestiniert für die Geschichten der Krimiserie am Rande der Karibik war Weisbecker durch seine Vergangenheit: Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zeitweise als Drogenschmuggler, sein Operationsgebiet lag zwischen Kolumbien und New York.

Die Anfänge dieser zweifelhaften Karriere fnden sich allerdings nicht in Amerika, sondern 1970 in Afrika, wo Weisbecker mit seinem Freund Patrick einen Surftrip verlängern konnte, indem er Haschisch für 40 $ ein-, und für 1000 $ verkaufte. Über Nacht entschieden sich die zwei, die seit ihrer Jugend dem Wellenreiten verfallen waren, ihren Idolen Robert August und Michael Hynson nach zu eifern. August und Hynson waren zwei Surfer, die für den Bruce Brown Klassiker „The Endless Summer“ von 1966 ein Jahr lang um die Welt reisten und Wellen und Mädchen hinterher jagten. Genauso wie die Surf-Stars konnten sich Allan und Patrick aufeinander verlassen, das wussten sie seit den späten 1960er Jahren, als Patrick nach Vietnam zog um zu kämpfen und Weisbecker nach Hawaii – um zu studieren.

An der North Shore Oahus trafen sie sich wieder und verbrachten ein Jahr mit surfen. Als im Dezember 1969 der größte Swell aller Zeiten auf die Inseln traf, befanden sich die beiden in einem Bungalow am Strand und waren total stoned. Eine der unzähligen Monsterwellen riss den Bungalow mit sich. Die zwei schwammen um ihr Leben und zogen sich schließlich gegenseitig an Land. Es war nicht das letzte Mal, dass sie zusammen im Wasser landeten, denn auf ihren Schmuggeltouren quer durch die Karibik waren die altersschwachen Boote oftmals so überladen mit Marihuana und Schnaps, dass der Untergang wahrscheinlicher war, als die sichere Ankunft in einem Hafen. Etwa zehn Jahre lang lebten Weisbecker und Patrick das dekadente Jet-Set-Dasein gut verdienender Drogenschmuggler mit Flugzeugen, Booten und eigenen Hubschraubern. Also allem, was dazu gehört.

Die forierende, wenngleich auch zweifelhafte Karriere, nahm ein jähes Ende, als sie 1978 mit der Ensenada und der bis dato wohl größten Ladung illegaler Rauchware im Atlantik sanken. Das Schiff, das Dope Lord Fredi Calderone gehörte, driftete zusammen mit etwa 50 Tonnen Gras gen Meeresboden, die Crew konnte in höchster Not gerettet werden. Doch Weisbecker, so sagte ein Mitglied der Crew, war niemals in Lebensgefahr, denn wer geboren ist, um gehängt zu werden, der braucht das Wasser nicht zu fürchten. Für Weisbecker war es das Ende seiner Laufbahn als Schmuggler. Mit einem Drehbuch über kolumbianische Drogenschmuggler ging er nach Hollywood. Michael Mann nahm ihn für eine neue Krimiserie, die in Miami spielen sollte, unter Vertrag. Der Rest ist Geschichte.

Er schrieb auch für eine weitere Krimiserie, die allerdings weniger erfolgreich war als die mit den Booten und Bikinis. Bereits 1982 hat Weisbecker seinen ersten Roman „Cosmic Banditos“ verfasst, eine irre Odyssee von Banditos, Drogenschmugglern und Verrückten, die über ein paar Physikbücher stolpern und plötzlich einen Sinn in ihrem Leben entdecken. Der Stil liegt irgendwo zwischen Douglas Adams und Hunter S. Thompson.

Veröffentlicht wurde der Roman 1986, damals noch ohne Erfolg. Das sollte sich ändern, als Weisbecker 1991 eigenhändig etliche Exemplare für den Stückpreis von einem Dollar aufkaufte, und zu den amerikanischen Truppen in den Irak schickte. Das Buch wurde zum Underground-Hit, handsignierte Exemplare kosteten in Antiquariaten an die 300 Dollar. Weisbecker wurde Kult, sah von der Kohle
aber keinen Cent, vor allem weil die meisten Leser die Meinung vertraten, es gebe den Autor nicht und
das Buch wäre von jemand anders und Weisbecker nur dessen Pseudonym. 1996 machte sich der Autor ohne Ruhm auf die Suche nach seinem Freund Patrick, der 1992 in Mittelamerika verschwand. Eine Postkarte aus Costa Rica ist der einzige Hinweis auf Patricks Verbleib. Die Suche dehnte sich auf etwa zwei Jahre aus und ist das Kernstück seines zweiten Romans „In search of Captain Zero“. Der Roman erinnert an einigen Stellen durchaus an Joseph Conrads „Heart of darkness“, mit dem Unterschied, dass er vor allem Surfer ansprechen dürfte. (Eine Gruppe österreichischer Surfer hat sich vor einigen Jahren auf die Suche nach Weisbecker gemacht, der sich ebenfalls in Mittelamerika niedergelassen hatte, das Buch also kopiert. Ihre Suche haben sie unter dem Titel „Zen & Zero“ verflmt.)

„In search of Captain Zero“ erschien 2001, beinahe zeitgleich mit der Neuaufage von „Cosmic Banditos“. Beide Bücher sollten verflmt werden. Sein erstes mit John Cusack, der Nachfolger mit Sean Penn. Warum daraus wohl doch nie etwas werden wird und was zwischen den Jahren 1996 und 2006 alles geschah, daran lässt Allan Weisbecker uns in seinem dritten und längsten Buch „Can’t you get along with anyone?“ teilhaben. Der Titel entstammt der Betreffzeile einer Email, die ihm eine seiner Agentinnen geschrieben hat, nachdem er sie gefeuert hatte. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum er dem Verlag Bandito Books gründen musste, um veröffentlichen zu können.

Alles, was zwischen Hollywood, den Buch- und Filmagenten, Weisbecker, seiner Freundin Lisa und Dutzenden von Kriminellen, Lektoren und Anwälten abläuft, ist in diesem Buch zusammen gefasst. Zudem wird der Mord am Amerikanischen Auswanderer Max Dalton Ende der 90er Jahre von Weisbecker aufgeklärt, die Geschichte vom Surferparadies Pavones in Costa Rica erzählt und endlich enthüllt, warum Sean Penn seinen Kopf in seinem Arsch trägt und ob Weisbecker John Cusack zu recht Prügel angedroht hat.

Zur Zeit reist der Ex-Schmuggler und Vollblutsurfer wieder im Pick-Up durch Mittelamerika, seine einzigen Begleiter sind sein Hund Honey und ein Quiver voll Longboards. Alle paar Wochen meldet er sich per Email und genießt ansonsten den Strand, die Wellen und die Frauen. Angesichts dieser Umstände warten wir auf ein viertes Buch wohl vergebens.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.