Delta Spirit


Es war einer dieser wundervollen Bildschirmmomente. Man stöbert im Internet nach neuer Musik, fndet etwas halbwegs Brauchbares – an das man sich jetzt schon gar nicht mehr erinnern kann – und gelangt von dort zu irgendeiner befreundeten Band.

Wie die befreundete Band hieß, weiß ich noch. Die Namen von Stundenliebeleien vergisst man schnell wieder, aber wenn es einen mit dem ganzen Herz schnappt, dann entfällt dir auch der Name dieser Liebschaft nicht so schnell. Delta Spirit nennt sich die kalifornische Truppe, auf deren Internetseite ich zufällig gelangte. Ihren Stil nennen Jon Jameson (Bass), Matthew Vasquez (Gesang), Sean Walker (Gitarre), Kelly Winrich (Mädchen für alles) und Brandon Young (Percussion) Americana-Soul und allein dieser eher simple Wegweiser, transformiert sich in Sekundenschnelle zur so vorher noch nicht wahrgenommenen Standortbestimmung.

2006 veröffentlichten, die ein Jahr zuvor gegründeten, Delta Spirit ihre Debüt-EP “I Think I’ve Found It“ auf dem unabhängigen Monarchy-Label. Mittlerweile ist der sechs Tracks starke Silberling leider out-of-print, aber zumindest digital fndet man ihn noch auf diversen Seiten. Die Herrschaften kündigen darauf bereits an, wozu ihr ausgewachsenes Debüt, “Ode To Sunshine“, ein Jahr später geraten wird. Sänger Matthew Vasquez singt sich krächzend durch die Dylan-Hommage “Crippler King“, das Endzeit-Anthem “Gimme Some Motivation“ oder den Katrina-Swing “French Quarter“.

Delta Spirit verbinden dreckigen Indie-Rock mit nördlichem Soul, Hobo-Folk (man spielt auch gerne schon mal auf Mülleimerdeckeln) und eindringlichen Texten, die persönlich, sozialkritisch, politisch, aber nie parteiisch sind – es geht ums Ganze. Die Situation in New Orleans, die in “French Quarter“
thematisiert wird, haben einige Bandmitglieder z. B. mit eigenen Augen gesehen.

Wie erwähnt, 2007 erblickte “Ode To Sunshine“ das Licht der Welt. Die Songs entstanden unter Eigenregie in einer abgelegen Hütte. Es dauerte ein bisschen, bis das Album mehr Presse bekam. Aber spätestens seit der Wiederveröffentlichung durch Rounder Records (Ende August) und einem kolossalen Auftritt bei Conan O’Brien, erfahren die fünf Herren aus San Diego mehr Aufmerksamkeit. Demnächst geht es zusammen mit den tollen Dr. Dog auf US-Tour und wer dabei die Schlagzahl vorgeben wird, wird sich sicher erst nach den ersten Gigs herausstellen. Man öffnet die Augen, sieht
links einen Kaktus, rechts eine Palme, dahinter die vorbeirauschende Eisenbahn und vor der Sonne,
die am Horizont aufgeht, prügeln fünf Kerle auf ihre Instrumente ein. Diesen Moment – wahlweise der erste Durchlauf von “I Think I’ve Found It“ oder “Ode To Sunshine“ – vergisst man nicht so schnell. Delta Spirit sind keine Band für eine Nacht!

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